Hyänen und Diktatoren

Herbert Brandl, O.T., 2014, Öl/Lw, 200 x 250 cm, © H. Brandl

Hyänen und Diktatoren

Brandl und Khol in Hagen

Der Star der Ausstellung ist Herbert Brandl, der wichtige österreichische Landschaftsmaler, Biennale-Teilnehmer, Professor für Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie. Aber Brandl wagt sich – freundschaftlich – in den Ring. Im Altbau des Osthaus Museums stellt er gemeinsam mit einem seiner Meisterschüler aus, mit dem 1979 in Wien geborenen, also zwanzig Jahre jüngeren Julian Khol. Überraschend sind aber auch seine Beiträge selbst. Denn von den Landschaftsbildern, die mit ihm assoziiert werden, ist lediglich eines zu sehen. Aber was für eins! Ungezähmt und zärtlich zugleich liegen die hauchdünnen Fetzen breiter Pinselbahnen übereinander in lichtem Blau, ausfaserndem Weiß, steinigem Schwarz mit gelblichem Streiflicht. In der Überlagerung schimmert Grün. Und dann genügt eine halb verdeckte, horizontal orientierte Bahn im oberen Bereich für die Verwandlung in die eindrucksvollste Gebirgslandschaft. Ansonsten: Hyänen, ausgerechnet diese Aasfresser. Als Malerei und als Bronzeplastik in realistischer Darstellung wirken sie wie die heimlichen Bewohner der Landschaft. Jedoch versteht sie Brandl über ihre ohnehin negative Konnotation hinaus als Symbole für „Banken, die Beute reißen wollen“. Als Skulptur beweglich und kantig grob, vereint sie eine expressive Aggressivität. Und als Gemälde werden sie zu Porträts: lauernd, auf dem Sprung oder von dannen ziehend.

Julian Khol ist in seiner Malerei ganz anders und eigentlich doch auch nicht. Unter seinen Gemälden und Zeichnungen ragt eine großformatige Bilderserie mit Gräsern als gelben skripturalen Entladungen auf grauem Grund hervor, wie Blitze und Feuerwerke eingefangen in einer präzisen Lässigkeit und Furchtlosigkeit. Das gilt ähnlich für seine separat gehängte „Ahnengalerie“ lakonisch grafischer Notationen der Häupter von Diktatoren: als augenblickliche Bannung aus der Erinnerung und mit allen Zweifeln, inwieweit die Abbildung die Untaten und Gräuel – und das Denken dahinter – einfängt. Es geht darum, was Malerei zu leisten vermag und worin ihre Aktualität liegen könnte: bei beiden Künstlern.

Herbert Brandl & Julian Khol: „the plight of light, wodka, teer und federn“ | bis 12.6. | Osthaus Museum Hagen | 02331 207 31 38

Autor

Thomas Hirsch

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