Freiluftmusiken im Sommer

Sona Jobarteh mit ihrer 21-saitigen Kora, Foto: Sunara Begum

Freiluftmusiken im Sommer

Ansprechende Klänge in Wuppertal und Düsseldorf

Nach einer vom Wetter her dürftigen EM mit meist verregnetem Public-Viewing im Freien dürfen wir nun auf eine stabilere Open-Air-Saison hoffen. Gerne wird bei solch lockeren Treffen auch Jazz angeboten, meist Jazz light, passend zum leichten Sommerwein oder zum Radlerweizen. Jazzfreunde und Zaungäste lassen sich von jazzigen Klängen erfreuen, auch wenn es weniger um Grenzerfahrungen mit den Klangmöglichkeiten der Instrumente, um eine clusterhafte Verdichtung der Harmonien und um Auflösung jeglicher nachvollziehbarer Rhythmik geht: Die Veranstalter richten bei der Wahl ihrer Sommerband ihr Augenmerk meist auf den Unterhaltungswert einer Show – es ist ja irgendwie auch Urlaubszeit. Die Künstler haben sich auf diesen Markt eingestellt, und mancher hochkarätige Musikus der experimentellen Szene entblödet sich nicht, auch mal für sein Publikum aufzuspielen und nicht nur für sich selbst. Die Entfremdung zum Publikum wird ja den ambitionierten Neutönern im Jazz häufig vorgeworfen.

Großartig ist die Programmwahl den Machern der „Klangart“ gelungen, eine Konzertreihe im Skulpturenpark Waldfrieden, traumhaft gelegen über dem Tal der Wupper zwischen Elberfeld und Barmen. Hier trifft Klang auf Art seit acht Jahren mit einer Mischung aus Ethno und Jazz. Sona Jobarteh, eine Kora-Virtuosin aus England, tradiert die Musik der Griots, der Geschichtenerzähler Westafrikas. Die junge Frau bricht damit in eine reine Männerdomäne, aber sie konnte sich etablieren. Als Sonnenschein und Alleskönner hat sich der Trompeter und Alphorn-Spezialist Matthias Schriefl angekündigt. Er führt mit seiner Band Six, Alps & Jazz den Beweis, dass Volksmusik auch Jazz und Jazz auch Volksmusik sein kann. Als „perfekte Brotzeit für offene Ohren und eine musikalische Seele“ wurde die Kost dieses Septetts um den Leader, oft in Lederhosen, aus dem Allgäu bezeichnet, der junge Mann besitzt Humor und Können – eine wirklich gute Mischung.

Beinahe Festivalcharakter besitzt die Düsseldorfer Reihe „Jazz und Weltmusik im Hofgarten“. Hier werden beide genannten Genres jeweils an einem Nachmittag bedient: Am 6.8. lädt der Gitarrist Axel Fischbacher zum eigenen Quintett u.a. den Tenorsax-Star Tony Lakatos aus Frankfurt ein, anschließend spielt La Banda di Palermo direkt aus Sizilien ein europäisches Gemisch – als italienische Note mit Akkordeon. Am 13.8. gastieren brasilianische Klänge mit Tres Brasilis und das Tabadoul Orchestra mit Musikern aus Köln, die sich der Musik eines „Frank Zappas der arabischen Welt“ widmen. Der folgende Samstag wartet mit dem brasilianischen Meistergitarristen Lula Galvao auf, der mit der Ulla Haesen Band konzertiert – brasilianisch, versteht sich. Der Samba-Schwung wird an diesem letzten Musiktag im Hofgarten vom „Jazzpool NRW“, u.a. mit Reiner Witzel, Tobias Hoffmann und Altmeister Peter Weiss, mit dem Groove-Aspekt konfrontiert: Hammondorgel-Trio mit vielen Bläsern: Das garantiert einen großen Spaß.

„Klangart“ im Skulpturenpark Wuppertal: Sona Jobarteh | Sa 13.8. 19 Uhr | Mathias Schriefl | So 14.8. 18 Uhr | skulpturenpark-waldfrieden.de
„Jazz und Weltmusik im Hofgarten“ in Düsseldorf: Sa 6., 13., 20.8. 15 Uhr | Eintritt frei | www.jazz-schmiede.de

Olaf Weiden

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