Der Mann, der aus der Kälte kam

Ein wilder Dompteur: Currentzis in Aktion, Foto: Anton Zavyalov

Der Mann, der aus der Kälte kam

Teodor Currentzis, Held aus Perm, gastiert mit Verdi-Opern

Er verlangt nicht mehr von seinen Musikern, als er selbst gibt: Bedingungslose Hingabe an die Musik. Der Mann heißt Teodor Currentzis und gab vor wenigen Tagen seinen Einstand als erster Chefdirigent des neuen SWR Symphonieorchesters – eine Zusammenführung des RSO Stuttgart mit dem SO Baden-Baden und Freiburg. Einen deutlicheren Aufbruch zu neuen Ufern hätte sich das in Stuttgart wirkende Orchester nicht aussuchen können: Keine Personalie wirkt radikaler und aufrührender als die des griechisch-russischen Dirigenten und Künstlers, der nur selten Kompromisse macht und sich in einem filmischen Porträt bereits den Titel „Klassikrebell“ eingehandelt hat. Und der Mann kommt eindeutig aus der Kälte.

Schon vor mehr als zehn Jahren, nach einem Studium im sonnenbeschienenen Athen und später im kühleren St. Petersburg, ging Currentzis nach Sibirien, um die Oper aufzumischen, zog weiter nach Perm, wo er 1100 km östlich von Moskau zunächst ein Mekka der Barockoper erschuf. Wer ihn liebt, verehrt ihn wie einen Messias, lässt sich von seiner Power und gewaltigen Energie anstacheln, geht tatsächlich andere Wege in der musikalischen Interpretation. Für Currentzis existieren keine Sinfonieorchester, es gibt nur Kammerorchester – darunter auch sehr große. Ihm geht es um die Kommunikation mit seinen Musikern auf Augenhöhe, und die Ergebnisse überzeugen: Die Einspielungen seiner Mozart-Opern stiegen teilweise in die Top 100 der deutschen Pop-Charts.

Jetzt rückt Currentzis am Rhein an, um in Köln seine über Jahre trainierten Spezialensembles MusicAeternaChoir & Orchestra mit weiteren beglückenden Opernwerken zu begeistern. Verdis Schlachtrösser „La Traviata“ und „Aida“ werden im Oktober entlaubt, das opernhafte „Requiem“ folgt im Frühjahr. Damit hat sich der Dirigent vom Barockrepertoire über Mozarts wichtigste Opern bis zur großen italienischen Oper vorgearbeitet. Und die Arbeit wird dadurch nicht weniger: Seine Orchester sollen ja wie ein Streichquartett klingen. Mit seinen eigenen Ensembles aus Perm hat er das erreicht, das bestätigen verschiedene Solisten und Sänger, die mit diesen Klangkörpern gearbeitet haben. Currentzis liefert Erlebnisse: Für Musiker und Zuhörer.

Fr 5.10. 20 Uhr: La Traviata | So 7.10. 18 Uhr: Aida | Kölner Philharmonie | 0221 280 280

Autor

OLAF WEIDEN

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