Zweierlei Romantik

Caspar David Friedrich, Lebensstufen, um 1834, Öl auf Leinwand, 72,5 x 94 cm, © Museum der bildenden Künste, Leipzig, Foto: InGestalt Michael Ehritt

Zweierlei Romantik

Caspar David Friedrich im Kunstpalast Düsseldorf

Auch in der Kunst ändern sich die Moden und Stile in rascher Folge. Was gerade erst angesagt war, ist bald nicht mehr gefragt, vorübergehend jedenfalls. Derzeit stellt der Kunstpalast in Düsseldorf zwei aufeinander folgende Konzepte der Malerei der Romantik mit herausragenden Gemälden vor. Caspar David Friedrich (1774-1840) gehört der Frühromantik an; die Maler, die einige Jahrzehnte später im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie tätig waren, repräsentieren die Spätromantik. Schon mit ihren Bildern wenden sie sich gegen Friedrichs künstlerische Auffassung. Anfänglich gefeiert, setzte bereits um 1810 öffentliche Kritik an ihm und seinem Bildprogramm ein. Typisch für dieses ist die Weite der Landschaft mit einem tiefen Horizont, der den Eindruck von Verlorenheit und Einsamkeit erzeugt. Die Natur wird zum Akteur, etwa in der Darstellung von Eisschollen, von Gebirge und Pflanzen, die in ihrer detaillierten Erfassung dem Aufkommen der Naturwissenschaften entsprechen. Der Außenraum besitzt insgesamt spirituelle Dimensionen, überhaupt: Friedrich verbindet vermeintliche Einfachheit mit hoher Symbolik.

Düsseldorfer Malerschule

Die Künstler der „Düsseldorfer Malerschule“ sahen anders und malten anders. Das verdeutlicht schon der erste Raum der Ausstellung im Kunstpalast, der Gemälde mit Friedrich als zurückgezogenem Künstler den belebten Atelierszenen der Düsseldorfer Künstler gegenüberstellt. Die Malereien etwa von Carl Friedrich Lessing und Oswald Achenbach sind erzählerisch, stimmungsvoll und auf das Spektakuläre hin orientiert: bei den Seestücken und bei den Gebirgsdarstellungen ebenso wie in der Interaktion von Figuren. Dies hat Auswirkungen auf die Malerei selbst, und während Friedrich und seine Zeitgenossen Tupfen neben Tupfen setzten, neigt die „Düsseldorfer Malerschule“ zum Summarischen und zugleich Monumentalen in der Bildauffassung. Caspar David Friedrich aber hat im kleinen Format gemalt und dieses mit Intensität und Dichte gefüllt. Das Erlebnis der Ausstellung liegt, dann wenn die Museen wieder öffnen, im genauen Schauen: von nahem, alleine.

Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker | bis 7.2. | Kunstpalast Düsseldorf | 0211 56 64 21 00

Autor

Thomas Hirsch

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