Zeitreisen in jede Richtung

Cantus Cölln, Foto: Stefan Schweiger

Zeitreisen in jede Richtung

Kölner Festival „Fel!x“ auf den Spuren des Originalklangs

„Meine Generation hat mit Pierre Boulez und dem Ensemble intercontemporain Wegweiser gehabt, wie man die Musik der Zeit entdecken und erleben kann. Gleichzeitig waren wir neugierig, das Repertoire aus anderen Zeiten zu entdecken.“So zitiert das Programmheft des Fel!x-Festivals François-Xavier Roth. Der beliebte und einflussreiche Gürzenich-Kapellmeister und GMD von Köln hat eine wilde Zeit der Neuen Musik in Paris erlebt und damals trotzdem das Ensemble „Les Siècles“ gegründet, das die Namen und Entdeckungen der Alte Musik-Pioniere Harnoncourt, Leonhardt und Gardiner im Banner trug – Musik ihrer Zeit auf authentischen Instrumenten, keine Beschränkung auf irgendwelche Epochen. Die zunächst der Alten Musik verschriebenen Ensembles weichten ihre Grenzen in den letzten Jahrzehnten auf und begaben sich zurück in die Zukunft. So erleben wir heute Wagners Opern auf historischen Instrumenten, romantische Sinfonien mit leicht luzidem Klangbild – wunderbare Entwicklungen.

Kein Wunder, das Maestro Roth als lebendiger Zeitzeuge und Aktivist für Zeitreisen in jede Richtung als Kurator für das Original-Klang-Festival „Fel!x“ gewonnen wurde. Und der Meister führt selbst mit seinem französischen Orchester drei Konzerte auf, die eine breite Palette von Musiken erklingen lassen. Zunächst wählt er ein thematisch gesteuertes Programm mit Klängen von Barock bis Fin-de-Siècle-Stimmung auf, Rameau und Ravel vertonten die Sage von Daphnis, ein Schäfer-Spiel mit erotischer Würze. Dazu singt die Sopranistin Véronique Gens die Rolle der Kleopatra in den dunkel verhangenen Klängen des Franzosen Hector Berlioz – präsentiert mit „Les Siècles“ und zwei Kölner Chören. Zudem protzt das Ensemble mit einem weiteren Pariser Schatz, den drei berühmten „Ballets Russes“, die Strawinsky komponiert hat, jetzt geballte Power an einem Abend.

Dazu präsentiert Roth Ensembles der nächsten Generation, Spezialisten wie das Ensemble Resonanz, Kammermusiker wie das Ensemble Sarbacanes, verschiedene Debütanten in der Domstadt. Damit Raum und Klang für die Neuen entsteht, feiert auch ein altgedientes Spezial-Team seinen Abschied: Nach 35 Jahren Cantus Cölln erklingen die Stimmen ein letztes Mal in Köln, ihrem Geburtsort und Namensgeber – und natürlich mit der Bibel des Gesangs, Motetten von Johann Sebastian Bach.

FEL!X Festival | 16.-21.8. | Kölner Philharmonie und weitere div. Orte | 0221 280 280

Autor

OLAF WEIDEN

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