Wie man Lesemuffel begeistert

Ines Dettmann, Foto: Thorsten Dettmann

Wie man Lesemuffel begeistert

Junges Literaturhaus

„Nach einer Lesung müssen wir erst einmal den Saal kehren. Denn überall rieselt Sand aus den Schuhen der Kinder“, erklärt Ines Dettmann. Sie leitet Kölns Junges Literaturhaus seit 2007. Begonnen hat alles mit der Aktion „Mein Blog“, in der Jugendliche ihre ersten Schreibversuche unternahmen, die sich von allem unterscheiden sollten, was sonst so in der Schule passiert. Der Erfolg war so nachhaltig, dass sich die junge Abteilung des Literaturhauses immer komplexer in ihrem Programmangebot entwickelte.

So gehören heute Angebote für Kinder im Vorschulalter zum festen Bestandteil. „Der Markt für Kinder- und Jugendliteratur hat sich in den letzten 20 Jahren auch international enorm entwickelt“, sagt Ines Dettmann. Große Namen wie Nora Gomringer, Jutta Bauer, Ralf Caspers konnten problemlos für ein junges Publikum gewonnen werden.

Selbst Corona vermochte das Programmangebot nur bedingt stoppen, denn in der Not schlossen sich die deutschsprachigen Literaturhäuser noch enger zusammen. So konnte jedes Haus sein digitales Programm den anderen zur Verfügung stellen. Am 7. Oktober wird etwa Bestsellerautorin Tamara Bach ihr Buch „Das Pferd ist ein Hund“ in einem Livestream präsentieren, der auch in den folgenden drei Tagen noch zu sehen sein wird.

Solche Veranstaltungen sind nicht bloße Lese-Events. Für die Jüngsten gibt es seit 2010 das Bilderbuchkino, mit dem man auch in die Schulen geht. „Für die Kinder hat das den Vorteil, dass sie eine komplette Geschichte bekommen“ sagt Ines Dettmann. Und nicht nur das, die Verbindung von Bild und Text nimmt immer subtilere Formen an, wie die Comic-Lesungen etwa von Ferdinand Lutz und Dominik Merscheid demonstrieren. Auf der großen Leinwand sind die Zeichnungen zu sehen und zugleich spult sich ein multimediales Spektakel von Geräuschen und Musik ab. „Das reißt dann auch bei Schulvorstellungen jene zwei oder drei Kandidaten, die in der letzten Reihe sitzen und alles langweilig finden wollen, derartig mit, dass sie merken, es ist doch nicht alles Scheiße, was hier passiert.“

Damit sind dann auch jene Veranstaltungen gemeint, die faszinierende Begegnungen mit Autorinnen und Autoren wie Anna Woltz oder Kai Meyer ermöglichen. Der Fantasy-Spezialist kommt am 1. Oktober mit seinem neuen Roman „Fürimmerhaus“ nach Köln. Noch so ein Beispiel für ein Literaturangebot, das sowohl für die Kleinsten, als auch für Teenager und Erwachsene funktioniert.

Autor

Thomas Linden

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