Wer nichts weiß, muss alles schlucken

Wer braucht da noch Zucker? Foto: Владимир Солдатов / Adobe Stock

Wer nichts weiß, muss alles schlucken

Gesunde Ernährung ist möglich

Gesunde Ernährung ist kompliziert. Das soll mein persönlicher Kampf veranschaulichen, Koffeinzufuhr, Ästhetik und Gesundheit zu vereinen. Wie viele andere Menschen auch, bilde ich mir ein, dass ich täglich eine Dosis Koffein brauche, um zu funktionieren. Allerdings mag ich keinen Kaffee, möchte auch meine Zähne nicht vergilben. Also trank ich eine zeitlang Cola oder Energiegetränke. Die allerdings machten mich ob ihres hohen Zuckergehaltes zu einem eher plumpen, um nicht zu sagen recht dicken Zeitgenossen. Zum Glück gibt es aber die Zero-Varianten dieser Getränke, versehen mit künstlichen Süßstoffen, statt mit Zucker. Zero Zucker, zero Ahnung, was für Teufelszeug stattdessen drinsteckt. Literweise flößte ich mir das Zeug ein. Als meine Zähne buchstäblich zu bröseln begannen, fragte mich meine Zahnärztin, ob ich viele Nüsse oder Zero-Getränke zu mir nähme. Kaffee macht hässlich, Zucker macht dick, Süßstoff macht krank. Klasse! Seitdem trinke ich ungesüßten grünen Tee. Widerlich eigentlich, aber man gewöhnt sich dran.

Man muss kein Experte sein

Was ich sagen will: Irgendwas ist immer. Kaum eine Disziplin scheint sich selbst so sehr zu widersprechen wie die Ernährungswissenschaften – zumindest in der öffentlichen Kommunikation. Hinzu kommen ethische und finanzielle Hintergründe. Wer das Klima retten und Tierleid reduzieren will, greift oft zu vegetarisch-veganen Ersatz-Schnitzeln. Woraus die aber bestehen, weiß keiner so genau, und verarbeitete Nahrungsmittel sind es ja ohnehin, die bekanntlich im Verdacht stehen, hauptsächlicher Auslöser von Zivilisationskrankheiten wie Allergien zu sein. Bio-Produkte kann sich zudem nicht jeder leisten. Die sogenannten Superfoods, besonders nährstoffreiche Lebensmittel, werden ihrem Namen mal gerecht, mal nicht – und überhaupt wachsen die eigentlichen Megafrüchte doch im Wald oder auf Äckern! Bohnen enthalten manche wertvollen Stoffe, aber zu viel von anderen, Möhren sind der Knüller, es sei denn … was war es noch gleich? … und der morgendliche Smoothie stellt zwar irgendwas gutes mit dem Stoffwechsel an, aber eben auch irgendwas anderes.

Man sieht, ich bin kein Experte auf dem Gebiet, habe es auch weitgehend aufgegeben, mich da auszukennen. Aber man muss kein Experte sein, um eine Grundlage anzuerkennen: Verarbeitete Lebensmittel enthalten jede Menge Mist, den Behörden als unbedenklich einstufen – aber wer schaut schon, wie viel jeder Einzelne davon isst? Vielleicht ist die Menge an Butylhydroxyanisol (E320) in einer Packung Instantnudeln ungiftig. Aber was, wenn man sich das Zeug täglich reinschaufelt?

Zucker im Speck!

Von solchem Zeug wimmelt es in unseren Lebensmitteln. Sie sollen ja nicht nur haltbar sein, sondern auch schön aussehen sowie über Tage und Wochen und beim Aufwärmen ihre Konsistenz behalten. Das fängt schon mit „unverfänglichen“ Zusatzstoffen wie Salz oder dem eingangs genannten Zucker an. Einmal wollte ich mit einer Freundin ein raffiniertes Speckgericht kochen. Beim Einkaufen griff ich gedankenlos ins Regal, da rief sie: „Finger weg!“ und machte mich darauf aufmerksam, dass die Sorte Zucker enthielt. Zucker im Speck! Mehr braucht man wohl über das kaputte System der Lebensmittelindustrie nicht zu sagen. Es bleibt nur ein Fazit: Es ist eine einfache Kiste mit der gesunden Ernährung, nämlich möglichst selbst zu kochen, mit frischen, unbehandelten Zutaten. Das fällt vielen zwischen Familie, Beruf und Freizeit und angesichts knapper Haushaltskassen nicht leicht. Es ist aber auch eine Frage der Gewohnheit – ähnlich wie ungesüßter grüner Tee.

 

NIMMER SATT – Aktiv im Thema

foodwatch.org | Die internationale NGO streitet für Konsumentenrechte und gegen die undurchsichtigen Praktiken der Nahrungsindustrie.
vfed.de | Der Verband für Ernährung und Diätetik agiert als „Fachverband für alle im Bereich der Ernährung und Diätetik Arbeitenden und Interessierten“.
marktgilde.de | Die Deutsche Marktgilde eG informiert Händler, Kommunen und Verbraucher über ihr Angebot lokaler Wochenmärkte.

 

Autor:

MAREK FIRLEJ

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