Wer macht das Rennen?

Die Jury-Vorsitzende beim "schwarzen Schaf": Mirja Boes, Foto: LGS Papenburg

Wer macht das Rennen?

Sechs Finalisten wetteifern um das „schwarze Schaf“ – Komikzentrum 05/16

Nicht mehr ganz junge Menschen kennen „das schwarze Schaf vom Niederrhein“ noch persönlich: Hanns Dieter Hüsch (1925-2005) hat sich nicht nur selbst als ein solches bezeichnet, er hat auch den gleichnamigen, 1999 erstmals verliehenen Preis ins Leben gerufen, der auf einem Wettbewerb basiert. Am 7. Mai wird der renommierte Kabarettpreis im Duisburger Theater am Marientor zum 9. Mal vergeben. So weit, so bekannt, zumindest in der einschlägigen Szene. Dass Hüsch sich auch für die Verleihung eines Radiopreises, den Um-Jeden-Preis, stark gemacht hat, ist weit weniger geläufig. Deswegen hier ein kleinen Auszug aus seiner – fiktiven – Rede: „Und nun möchte ich den von mir gestifteten Um-Jeden-Preis verleihen und zwar habe ich mich nach kurzem Hin und Her entschlossen, diesen Preis heute Abend zu überreichen“.

Nun stehen die sechs Kleinkünstler fest, die im Namen des in Moers geborenen Poeten gegeneinander antreten. „Vier Männer und zwei Frauen hat uns das niederrheinische Publikum ins Finale geschickt“, sagt die Jury-Vorsitzende Mirja Boes. „Alle Finalisten bieten ein sehr unterschiedliches Programm. Die Entscheidung wird uns bestimmt nicht leicht fallen!“

Volker Weininger, Preisträger 2014 und Mitglied der Finaljury, gesteht: „Ich freue mich, den Finalabend diesmal aus der anderen Perspektive zu erleben. Ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich war und drücke deswegen allen feste die Daumen. Es sind echte Kabarett-Talente dabei, von denen jeder eine sehr gute Chance hat.“

Fangen wir mit den Kleinkünstlerinnen an: Katalyn Bohn aus Wiesbaden listet in ihrem ersten Solo-Programm unter dem schönen Wortspiel-Titel „Miss Geschicke“ das ABC der Körpersprache auf, kann zaubern und akrobatische Kunststückchen auf die Beine stellen – das alles auf der Basis ihres Wunsches, die Tragik des Lebens mit einer Schippe Humor erträglich zu machen. Auch die Frau Kühne aus Xanten will mit dem Wahnsinn vor und hinter ihrer Haustüre aufräumen – eine persönliche Alltagsstudie, bei der jeder sein Fett abkriegt.

Sebastian Nitsch aus Berlin wiederum legt mit „Hellwachträumer – Kabarett für ausgeschlafene Optimisten“ bereits sein zweites Programm vor – nach den erfolgreichen „Unsterblichkeitsbatzen“. Als sein größtes Hobby nennt er „die Welt gründlich angucken“. Da darf man hoffen, dass er nichts Wichtiges übersieht. Marvin Spencer – noch ein Geheimtipp in der Szene –, ein „hellhäutiger Halb-Jamaikaner und agnostischer Islamwissenschaftler“, in Hamburg ansässig, nimmt in seinen Witz-im-Witz-Witzen alles lupenrein auseinander, was ihm unter die Augen kommt.

Christoph Tiemann aus Münster hätte auch den „Um-Jeden-Preis“ verdient, ist er doch Sprecher beim WDR, wo er Woche für Woche in der WDR 5-Zugabe mit „Tiemanns Wortgeflecht“ zu hören ist. Außerdem hat er ein Buch für Sprücheklopfer und Sprachliebhaber mit dem Titel „Gebratene Störche mit phatten Beats“ geschrieben. Zu dem halben Dutzend Kabarettisten gehört auch der 1968 in Minsk als Kaij Artjom Chpitzjel geborene Kai Spitzl, der derzeit noch mit „Ich sehe was, was du nicht bist“ auf Tournee ist. Wer auch immer das Rennen macht, darf am 8. Mai im Duisburger Kleinkunsttheater Die Säule einen ganzen Abend bestreiten und am 9. Mai in Moers sein Sieger-Soloprogramm zeigen. Wir drücken jedenfalls allen die Daumen – verspricht die stets über Tage lebende

Anne Nüme

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