Was einst war und nie wieder wird

Am Anfang einer jeden Ausgrabung liegt das Graben selbst, Foto: © Benjamin Wistorf

Was einst war und nie wieder wird

„Die Ausgrabung“ von vorschlag:hammer in Mülheim

Im Entdecken des Verborgenen liegt eine Magie, die mindestens genauso groß ist wie die Verlockung, etwas gänzlich Neues zu schaffen. Ähnlich ausgeprägt ist auch die Neugierde, an Orte zu gelangen, die zuvor kein Mensch betreten hat oder die gänzlich in Vergessenheit gerieten. Ihnen liegt ein Zauber inne, der zwischen rätselhafter Mystik und dem Versprechen einer großen neuen Wahrheit rangiert. Auf der Suche nach einstigen Realitäten, jagt die Archäologie im Wettlauf mit der sich anhäufenden Zeit die Vergangenheit. Doch sind es letztlich nur Objekte und menschliche Knochen, die überdauern und von dem erzählen könnten, was einst war. Und so bleibt den Archäologen nichts anderes, als Übriges zu sammeln, mit feinen Pinseln den Staub zu verjagen und schließlich im Zuge einer gewissenhaften Analyse und auf Basis der Kenntnis historischer und kultureller Hintergründe eine wohlüberlegte Aussage über das Wesen und den Nutzen von diesem oder jenem zu treffen.

Die Bedeutungshoheit über die Verblichenen und ihre Welt, sie liegt von diesem Moment an allein in den Händen der Lebenden. Und die sind – ähnlich den von ihnen Untersuchten – Menschen. Menschen, die vielleicht richtig liegen, und Menschen, die sich in ihre eigenen Ideen und Vorstellungen verlieben; Menschen, die zu wenig von dem wissen, wovon nicht mehr zu wissen ist, und Menschen, die gerne Recht hätten; Menschen, die Fehler machen und Menschen, die Geschichte schreiben (wollen).

Um das Spektrum an Überzeugungen, Analysen, (Fehl-)Deutungen und die Grenzen der Archäologie geht es auch in der Performance „Die Ausgrabung“ vom vorschlag:hammer, die am 23. und 24.3. im Mülheimer Ringlokschuppen zu sehen sein wird. Seit 2009 arbeitet das Kollektiv an gemeinsamen Theaterproduktionen, seit geraumer Zeit haben sie mit dem Ringlokschuppen eine wohltuende Base gefunden. Zwischen Humor und Tiefsinn wagt die Gruppe eine kontemplative Retrospektive in das Innere der menschlichen Psyche und ihrer Sehnsucht nach einer historischen Wahrheit. Barbara Slotta

vorschlag:hammer: Die Ausgrabung | Fr 23.3.(P), Sa 24.3. 18 Uhr | Ringlokschuppen Ruhr | 0208 993 16 00

Autorin

BARBARA SLOTTA

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