Ware Kind

Illustration: Alexander Schneider

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Der Kinderhandel blüht, auch in westlichen Staaten – trailer-THEMA 12/16 KINDERSEGEN

Kinder sollten frei sein. Sie sollten physisch und psychisch geschützt werden, Raum haben, um zu wachsen. In Deutschland geht es den meisten Kindern so. Doch vielen Kindern dieser Welt ist ein anderes Schicksal auferlegt. Der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge werden jährlich circa 1,2 Millionen Kinder Opfer von Menschenhändlern. Und die Dunkelziffer ist wohl ungleich höher.

Kinderhandel blüht oftmals da, wo große Armut herrscht, Menschen in ökonomische Notlagen geraten. Auch Kriege und Krisen begünstigen den Handel mit Kindern. Aus der Not heraus glauben Eltern den falschen Versprechungen von bezahlten Jobs für ihre Kinder und übergeben diese an Mittelsmänner oder Recruiter, die die Kinder dann weiterverkaufen. Dabei handelt es sich um Kinder jeden Alters. Und Kinderhandel kommt nicht nur in Südamerika, Asien und Afrika vor, wie oftmals geglaubt. Auch in westlichen Staaten blüht der Kinderhandel. Und die Formen der Ausbeutung, in die die Verkauften gezwungen werden, sind vielfältig. Viele der Kinder leisten nach dem Verkauf gefährliche Arbeit. Teilweise werden sie an Fabriken, Plantagen, Minen etc. verkauft, wo sie zu einem niedrigen Lohn viele Stunden harte Arbeit verrichten müssen. Dazu gehört auch die „Vermittlung“ von teilweise unter zehn Jahre alten Mädchen als Hausangestellte, auch in Haushalte Europas.

Am häufigsten mit Kinderhandel assoziiert ist die Ausbeutung durch Prostitution und Pornographie. Früher oft mit dem Sextourismus in Asien in Verbindung gebracht, ist das Problem mit dem Aufschwung des Internets längst ein globales geworden. Die Themen Kinderhandel und Kinderarbeit sind also eng miteinander verbunden. Es gibt andere Formen des Handels und der Ausbeutung, die nicht in Arbeitsverhältnissen enden, die Kinder aber ebenso psychisch wie physisch schädigen. Wenn minderjährige Mädchen in arrangierte Ehen gezwungen werden, oft durch Heiratsvermittler, die daraus Profit schlagen, und dann zu ihren Ehemännern verbracht werden, ist dies ebenfalls Kinderhandel.

Ein weiteres Problem ist der weltweite Adoptionshandel. Eine Adoption an sich ist eine positive Sache, so lange sie unter den richtigen Voraussetzungen und durch staatlich anerkannte Vermittlungsstellen geschieht. Wem dieses Prozedere zu lange dauert oder wer kein Kind vermittelt bekommt, adoptiert bzw. kauft ein Kind aus dem Ausland. „Das Kind hat es dann so viel besser“, ist das Argument, das den Kinderhandel rechtfertigen soll. Verzweifelte Mütter verkaufen ihre Kinder an dubiose Agenturen im Herkunftsland, angebliche Totgeburten sind quicklebendig und werden mit falschen Papieren aus Krankenhäusern vermittelt. Egal in welcher Form, Kinderhandel ist eine strafbare und grausame Praktik, die es einzudämmen gilt. In Deutschland gibt es seit 1998 den § 236 StGB, der den Kinderhandel strafbar macht. Laut dem Bundeslagebild Menschenhandel 2015 des BKA gab es in Deutschland 77 gemeldete Fälle von minderjährigen Opfern in der Prostitutionsausübung. Weitere Zahlen gibt es nicht, weil sie nicht erhoben werden.

Die UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet in Artikel 35 die Vertragsstaaten, Maßnahmen zur Verhinderung von Kinderhandel zu ergreifen. Um Kinderhandel aber zu stoppen, müssen Regierungen und Entscheidungsträger dort Gesetze erlassen, wo es noch keine gibt und sie auch tatsächlich um- und durchsetzen, wo sie bereits existieren. Die breite Öffentlichkeit muss immer wieder auf das Problem aufmerksam gemacht werden. Dafür müssen genaue Daten über das Vorkommen und das Ausmaß des Problems erhoben werden. Viele Hilfsorganisationen haben Kampagnen, um Kinder vor Handel und Ausbeutung zu schützen. UNICEF tritt unter anderem für die Geburtenregistrierung und Zugang von Kindern zu Bildung als Prävention von Kinderhandel ein und fördert Projekte zur Betreuung der Opfer. Jeder kann Kinderhilfsorganisationen bei ihrer Arbeit gegen den Kinderhandel unterstützen. Denn gerade die Schwäch-
sten der Gesellschaft benötigen Aufmerksamkeit und Schutz. Dass Kinder weltweit sicher sind, dafür sollte jeder Einzelne eintreten.

Autor

NINA RYSCHAWY

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