Videotanz-Festival in Wuppertal

Paul White, Schirmherr des Festivals, Foto: Jens Grossmann

Videotanz-Festival in Wuppertal

Tanzfilm als Synthese zweier unterschiedlicher Medien – Tanz in NRW 01/16

Es war das dritte und auch das letzte Mal, als 2001 der Deutsche Videotanzpreis an die Choreografin Stephanie Thiersch vergeben wurde. Ihr Video-Trailer „Le Cœur volé – Das gestohlene Herz“ setzte damals Maßstäbe für das noch zarte Pflänzchen Videotanz. Doch weder die Preisträgerin dieses hochdotierten Preises, noch die Preisstifter, allen voran die Kölner SK Stiftung Kultur und das Choreografische Zentrum Essen erkannten das Potential, das in dieser jungen Tanzkunst-Richtung steckte. Das Zukunftsprojekt wurde gestoppt. Eine katastrophale Fehlentscheidung, wie heute ein Blick auf YouTube mit seinen tausenden Tanz-Clips zeigt. Selten konnte ein Genre so einen kometenhaften Aufstieg und solch eine rasante weltweite Verbreitung seiner Beiträge verzeichnen. Den Verantwortlichen fehlte einfach der Weitblick. Und auch die Preisträgerin verabschiedete sich bald aus dem Genre Tanz/Choreografie+Film, in dem sie einst künstlerische Erfolge feierte.

Mit Tanzrauschen e.V. ist nun nach längerem Vorlauf ein unabhängiger Verein angetreten, um das Genre Tanz-Film wieder zu beleben. 2013 zur Förderung der Tanzfilmkultur gegründet, sollen interessierte Menschen über vielfältige Veranstaltungsformate, von Vorträgen über Workshops bis hin zu Festivals, für die faszinierende Welt der Dance-on-Screen-Kultur begeistert werden. Dazu findet im Januar in Wuppertals Kulturzentrum die börse ein internationales Tanzfilm-Festival statt, bei dem der Besucher sich einen guten Überblick verschaffen kann, was die Gattung der Choreografie für die Leinwand oder den Bildschirm in Europa und weltweit zu bieten hat. „Vom Choreografen-Porträt bis zum Musikclip, von filmischen Kurzgeschichten bis zu freien Studien über Raum und Bewegung“ ist alles dabei, so der Tanzrauschen-Kurator Sigurd-Christian Evers.

Ein Programm-Highlight wird die Deutschlandpremiere des Films „Danse l’Afrique, danse!“ der renommierten französischen Dokumentarfilmerin Marion Stalens über die zeitgenössische afrikanische Tanzkultur sein. Das erinnert an Pina Bauschs Aufruf „Tanzt tanzt tanzt“, und so scheint es kein Zufall zu sein, dass sich die Tanzfilm-Initiative in Wuppertal gründete und auch eine Zusammenarbeit mit dem Tanzzentrum Pina Bausch anstrebt. So wird Paul White, Tänzer am Tanztheater Wuppertal, Schirmherr des Festivals. Und Kurator Evers erhofft sich hier das weltoffene Publikum für Dance-on-Screen: „Wuppertal hat durch die Tanztheater-Tradition ein besonderes Publikum. Wir möchten die hiesige Vielfalt um den Aspekt der Choreografie für die Kamera erweitern und so die Tanzstadt stärken.“ Ziel ist die Entwicklung einer gemeinsamen europäischen Dance-on-Screen-Festivalplattform. Und so startet das Festival mit einer Konferenz der Kuratoren, Choreografen und Filmemacher der wichtigsten Tanzfilm-Festivals, vom niederländischen Cinedans bis zum Loikka-Festival von Helsinki. Danach öffnet die börse ihre Pforten auch für das Publikum. Und wer sich das Hauptprogramm nicht leisten kann, wird im Looproom der börse nonstop und kostenlos Videoclips ansehen können. Viel Erfolg.

Tanzrauschen – International Dance on Screen-Festival | 28. – 31.1.
die börse, Wuppertal | www.festival.tanzrauschen.de

Autor

KLAUS KEIL

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