Trauerspiel in zwei Akten

„Nein zum Geld“, Foto: Jennifer Zumbusch

Trauerspiel in zwei Akten

„Nein zum Geld“ am Theater am Dom

Die Menschen zum Lachen zu bringen ist kein einfaches Unterfangen. Vielleicht erleichtern Krisenzeiten dieses Vorhaben. Die Geschichte um einen Mann, der seinen Lottogewinn in Höhe von 162 Millionen Euro zugunsten eines einfachen Lebens opfert, ist jedoch bereits als Stoff eine tragische Story. In 90 langen Minuten offenbart „Nein zum Geld“ aus der Feder von Flavia Coste die Lücken der aufgesetzten Heiterkeit. Die Konzeption als Komödie erscheint schon im Ansatz verwunderlich und entlarvt im schönen Theater am Dom schließlich seine Trostlosigkeit in vollem Glanz. Unter der Regie von René Heinersdorff ziehen die Darsteller torkelnde Ellipsen um einen erlöschenden Fixstern.

Den Höhepunkt einer vom Ansatz her interessanten Produktion markiert bereits der Beginn, als ein glücklicher Familienvater seinen engsten Angehörigen den Verzicht auf einen kosmischen Jackpot verkündet. Das daraus resultierende Unverständnis lässt schließlich keine Zote aus. Die Grundidee von den wahren Werten im Leben, die Epikur bereits vor 2.300 Jahren in seiner „Philosophie der Freude“ mit Würde behandelte, stirbt in der Bühnen-Gegenwart einen billigen Tod im Klischeehagel des zugrundeliegenden Skripts, wenngleich das Ensemble seine beschränkten Rollen gut zu spielen versteht. Abgedroschene Jokes über Oralsex, die Instrumentalisierung von psychischen Erkrankungen (Tourette-Syndrom) sowie offensichtliche Leihgaben von Loriot („Ödipussi“) und Alfred Hitchcock („Cocktail für eine Leiche“) bereichern das theatrale Menü auf fragwürdige Weise.

Mittels versucht satirischer Einbindung inflationär bemühter Lokalthemen (Sanierung des Opern- und Schauspielhauses), einem karnevalistischen Gassenhauer von Jupp Schmitz und Kurt Feltz („Wer soll das bezahlen?“), plus dem unvermeidlichen Seitenhieb auf das ewige Pseudo-Feindesterritorium Düsseldorf, genügt sich das Stück selbst, dessen Kapitalismus- und Konsumkritik nicht einmal als Deckmantel, sondern allenfalls als löchriges, graugewaschenes Laken dienen, in das die Macher ein in sich hohles Werk mit ausgeschnittenem Dauergrinsen kleiden möchten.

Nein zum Geld | R: René Heinersdorff | bis 1.5. (mitunter 2 x täglich: 17 & 20 Uhr) | Theater am Dom | 0221 258 01 53

Autor

THOMAS DAHL

Dieser Artikel erschien auf www.choices.de, lesen Sie weitere Artikel auf www.choices.de/theater-am-rhein

0