Tragödie mit Diskokugel

Foto: Katrin Ribbe

Tragödie mit Diskokugel

Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ in Oberhausen

Es braucht schon zu Beginn den Theater-Eisernen, um die Zuschauer vor der eisigen Welt zu schützen, die dort in Oberhausen hinter dem Vorhang auf der Bühne installiert ist. Dann hebt sich das schwere Ding und gibt den Blick frei auf einen nebeligen Hauch von nichts. Ein 1950er-Jahre-Waschbecken und eine alte Wurlitzer stehen da, weit hinten an der Wand das Anatomische Institut, wo Ödön von Horváths Stück „Glaube Liebe Hoffnung“ immer beginnt. Dort will die arbeitslose Elisabeth (Lise Wolle) schon mal ihre spätere Leiche zu Lebzeiten zu verkaufen, um Geld für einen neuen Anfang zu haben. Doch Standesdünkel, Gesellschaft und Misstrauen werden ihr den verhageln. Schließlich herrscht Rezension und die Marschmusik kommt aus dem Kofferradio.

Schauspielchef Florian Fiedler inszeniert die ewige Tragödie dennoch leicht und wie immer mit vielen witzigen Pop-Ideen, wenn Musik das Gefühl transportiert. Das beginnt schon früh, wenn Elisabeth den Oberpräparator bezirzt und sie mit „Tiere mit Herz“-Ballons über die weite Bühne spazieren gehen. Ein Plus des Abends ist die sehr gelungene „Choreografie der Figuren“, die sich ja auch im Nichts verorten wollen, aber nie können. Ein paar Requisiten als Ankerpunkte, mehr bleibt ihnen nicht. Ihre Protagonisten sind scharf gezeichnet, fast puppenhaft in manchen Szenen, aus ihnen quillt die Konvention, der krampfhafte Versuch ihren gesellschaftlichen Mehrwert zu verteidigen, dafür bleibt selbst die Liebe auf der Strecke. Rihannas „Shine bright like a diamond“ klingt wie ein Hohn. Elisabeth schlendert von einer faulen Beziehung und Hoffnung in die Nächste. Nur kurz darf Elisabeth diesen „glücklichen Frieden zweier liebender Herzen“ mit dem Polizisten Alfons erleben. Der will sie heiraten, doch wieder hat sie was verschwiegen, wieder schlagen das latente, aber eigentlich grundlose Misstrauen und die Boshaftigkeit des arroganten Amtsgerichtsrats zu. Alfons knickt vor Karriereangst ein, hier befindet sich die damalige Welt am eigentlichen Abgrund. Die Hoffnung stirbt im Wasser. Die Installation schließt sich als Kreislauf im Anatomischen Institut. Elisabeth wird in Kreuzpose mehr ertränkt denn freiwillig ertrinken.

„Glaube Liebe Hoffnung“ | R: Florian Fiedler | Mi 15.1. 19.30 Uhr | Theater Oberhausen | 0208 857 81 84

Autor

PETER ORTMANN

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