Stolze Malocher und fehlende Maloche

Blick über die „Stadt der Arbeit“ Gelsenkirchen, Foto: Philipp Jüttner

Stolze Malocher und fehlende Maloche

Gelsenkirchen – „Stadt der Arbeit“

Welchen Wert hat Arbeit? Ist die Arbeit desjenigen mehr wert, der 4000 Euro im Monat „verdient“ als die von jenem, der nur 450 bekommt? Und warum?

Die Fragen, die Texter Ulf Schmidt und Regisseur Volker Lösch in ihrem Musiktheaterprojekt „Stadt der Arbeit“ stellen, sind omnipräsent in einer Stadt wie Gelsenkirchen. „Es gibt schon eine spezifisch Gelsenkirchenerische Mentalität: ein hohes Arbeitsethos, ein besonderer Stolz auf die Arbeitertraditionen“, sagt Anna Chenormordik, Chefdramaturgin am Musiktheater im Revier. „Aber das passt absolut nicht zur Realität; dazu, dass es vermutlich in Städten wie Gelsenkirchen nie wieder eine Vollbeschäftigung geben wird.“ Das Musiktheater will diese Realität auf die Bühne holen – ganz nach dem Lebensmotto des Regisseurs Volker Lösch: „Kunst ohne Anbindung an das Draußen, an die Zeit, in der ich lebe, finde ich sinnlos.“

Lösch holt „das Draußen“ mit Laiendarstellern auf die Bühne: Laien, die nicht nur schmückendes Beiwerk sind, sondern Hauptrollen spielen. 15 Laien und nur 4 professionelle Darsteller werden es sein – allesamt Leute, die einen besonderen persönlichen Bezug zu Arbeit und auch zu Arbeitslosigkeit haben. Etwa Leute, „die aus dem Arbeitsleben ausgeschieden wurden“, wie es Dramaturgin Chernomordik formuliert, oder solche, die „in Beschäftigungsmaßnahmen sinnlose Arbeit verrichten, damit die Gesellschaft sieht: Die Menschen sind beschäftigt.“

Ein gesamtgesellschaftliches Problem“

Das gesamte Stück ist aus den Geschichten der Darsteller entstanden. Etwa Geschichten über absurde Situationen in Jobcentern. „ Unser Texter Ulf Schmidt hat diese Geschichten aufgegriffen und verarbeitet. Vor den Ferien haben wir schließlich damit angefangen, diese Texte zu schleifen und zu schauen: Was funktioniert und was nicht“, berichtet Chernomordik aus den Proben. Ziel des Ganzen: „Wir wollen zeigen, dass das keine Einzelfälle sind. Es gibt ein gesamtgesellschaftliches Problem.“

Wie das Stück endgültig aussehen wird, entscheidet sich in vielen Details noch bis zur Premiere. Das gilt auch für die musikalische Seite, denn „Stadt der Arbeit“ ist ein Musiktheater-Stück. „Es wird eine große Collage mit Paraphrasen von Wagner und Schostakowitsch über Schlager und Popmusik bis zu Deutschrap“ beschreibt Chernomordik. Musikalischer Leiter, Bandleader und Arrangeur ist Michael Wilhelmi, der bereits vor sechs Jahren beim „Schalke-Oratorium“ am Dirigentenpult stand.

Stadt der Arbeit | R: Volker Lösch | Premiere (neuer Termin, Karten für den 25.9. bleiben gültig): Fr 8.10. 19.30 Uhr | Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen | 0209 409 72 00

Autor

KARSTEN MARK

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