Spenden für die eigene Sammlung

„Casa Colonia“, Foto: © kunst hilft geben

Spenden für die eigene Sammlung

HA Schult macht in Köln aus Müll Architektur

Manche Kausalitäten sind einfach und schrecklich: Es gibt viele Menschen, die wie Müll behandelt werden. Warum das so ist, weiß im Grunde jeder. Es gibt sie überall, Arme und Wohnungslose in der westlichen Welt, aber auch Landlose, Hungernde in der Dritten. In Köln soll deshalb jetzt ein Haus aus Müll gebaut werden. Das ist eine Kunstaktion von HA Schult, ein virtuelles Gebäude, das gerade seinen Weg in die Realität sucht, durch Spenden, kostenlose Hilfe und Kunst selbst soll das gelingen. Gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verein „kunst hilft geben“ wird in der Domstadt seit Jahren auch an der Idee von Zwillingsgebäuden gearbeitet, in denen Banker und Bettler quasi Tür an Tür nächtigen sollen. Schult argumentiert immer das beide „Lebensgemeinschaften“ nur von unserem Geld existieren.

Jetzt soll aber erst einmal das Holzfertighaus „Casa Utopia“ an den Start, neu ist das architektonische Environment zwar nicht, zieht aber sicher Unmengen an schaulustigen Spendern, die die Hilfsorganisation für Arme und Wohnungslose dringend braucht, will sie die „Casa Colonia“, dieses vorbildliche Haus mit Gemeinschaftsraum, Café und für Aktivitäten endlich realisieren. Sie sammeln auch nicht nur Helfer, die sich engagieren wollen, sondern auch Ziegelsteine um „Mauern hochzuziehen, die Mauern in den Köpfen einreißen“.

Die Benefiz-Kunstgalerie kann im September jedenfalls aus dem Vollen schöpfen: Über 100 Kunstwerke sind momentan bereits online zu erstehen, darunter viele Gerhard-Richter-Originale, aber auch Baselitz, Beuys, Gursky, Höfer, Immendorf, Lüpertz, Meese, Polke, Rauschenberg. Da gibt es nichts zum Schnäppchenpreis, aber viele Schnäppchen, die zum Teil jahrelang nicht auf dem Markt waren. Natürlich gibt es auch was vom Tausendsassa zu kaufen: echte HA-Schult-„Trashmen“ von den Müllhalden unserer Konsumgesellschaft. Billig sind die zwar nicht, aber spenden, um gleichzeitig die eigene Sammlung zu erweitern, das müsste doch in der Kunstmetropole ein Selbstläufer sein.

Casa Utopia“ | Deutzer Brücke | 1.-30.9. | 0162 233 67 01

Autor

PETER ORTMANN

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