„So kann es nicht weitergehen“

Sibel Polat und Manuel Moser, Fotos: Presse

„So kann es nicht weitergehen“

Fem-Fame-Night „33 Frauen“ an der Comedia

Am Anfang stand ein Test. Sibel Polat und Manuel Moser befragten Schüler:innen nach berühmten Frauen und Männern. Das Ergebnis: Die male VIPs überwogen nicht nur zu 50 Prozent, die Berufe der female VIPs beschränkten sich auf Popstars und Models. Der Theaterabend „33 Frauen“ will dieser Wahrnehmung etwas entgegensetzen. „Es gibt sehr vieleFrauen“, sagt die Schauspielerin und Regisseurin Sibel Polat, „die ganz tolle Sachen gemacht, aber nie die verdiente Aufmerksamkeit bekommen haben.“ Die Sichtbarkeit von Frauen in der Gesellschaft sei nach wie vor eine andere als von Männern, selbst wenn sie das Gleiche leisten – das gelte auch für das Theater, meint Regisseur und Dramaturg Manuel Moser: „Es ist auch eine Wut im Team da, in der sich die Forderung vieler marginalisierter Gruppen der Gesellschaft spiegelt, dass es so nicht weitergehen kann.“

„33 Frauen“ will dieser Wut im Format einer „Fem-Fame-Night“ mit Sibel Polat als Solistin und Gastgeberin einen Raum geben. Das Bühnenbild entspricht dabei dem einer klassischen Late-Night-Show mit Schreibtisch, Sessel und Screen, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. „Ich werde mir“, so Polat, „dieses zutiefst männliche Setting aneignen und es im Spiel zugleich dekonstruieren.“ Die Frauen reichen von VIPs wie Beyoncé über die kurdische Aktivistin Leyla Zana bis zu Einsteins vergessener Ehefrau Mileva Marić. Die Frauen werden in Texten, Video-Einspielern und (wenn möglich) auch mal live vorgestellt. Ob bekannt oder unbekannt, tot oder lebend, ob Politikerin, Wissenschaftlerin oder Künstlerin, die Bandbreite ist enorm.

„Wir wollen zugleich die klischeehafte Zuordnung von Frauen zu bestimmten Berufen wie der Care-Arbeit, also Pflegerin, Erzieherin oder Lehrerin, gleich mit abwatschen“, so Manuel Moser. „33 Frauen“, das am 14. August Premiere haben wird und ab 14 Jahren empfohlen wird, will weder Geschichtsunterricht, noch feministisches Gesellschaftbashing sein: „Ich habe nicht die Lösung“, sagt Sibel Polat offen, „ich kann nur Wünsche und Erwartungen formulieren und vor allem die junge Generation empowern.“

33 Frauen | R: Sibel Polat, Manuel Moser | 14.(P), 16.8. 19 Uhr, 15.8. 18 Uhr, 20.9. 19 Uhr | Comedia Theater | 0221 888 77 222

Autor

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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