Rembrandts Leben

Rembrandt (Harmensz. van Rijn), Diana und Callisto, Federzeichnung, Privatsammlung

Rembrandts Leben

Eindrucksvoll: Rembrandt im Wallraf-Richartz-Museum

Dass die kapitalen Meisterwerke von Rembrandt fehlen, fällt in der Ausstellung, die das Wallraf-Richartz-Museum zum 350. Todestag veranstaltet, gar nicht auf: Rembrandt van Rijn war produktiv und hat ohne Ende großartige Bilder gemalt. Also, kein „Mann mit dem Goldhelm“, keine „Anatomie des Dr. Tulp“ , ohnehin keine „Nachtwache“. Stattdessen: Eine Ausstellung, die sich am Leben und Wirken von Rembrandt reibt und zeigt, wie weit er sein privates Leben in die Kunst einbringt. Dazu bezieht sie etliche Werke seiner Zeitgenossen ein, besonders von Jan Lievens, dem Freund und Konkurrenten. Schließlich gilt es auch das „Goldene Zeitalters“ zu betrachten, die wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Blüte der Niederlande des 17. Jahrhunderts. Indes war Rembrandts Heimatstadt Leiden, in der er 1606 geboren wurde, für den Beruf des Künstlers problematisch. Die Wirtschaft lag am Boden, der Wohnungsbau hinkte der Einwohnerzahl hinterher. Zwar eröffnete er hier 1625 sein erstes Atelier, zog dann aber zu Beginn der 1630er Jahre nach Amsterdam, wo er bald zum bestbezahlten Maler der Niederlande aufstieg.

Die Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum setzt mit der Schilderung des kulturellen Klimas ein, in dem sich Rembrandt bildete und das er auch malte. Die Gemälde zeigen die Studierzimmer und Bibliotheken. Sie schildern weiterhin, wie sich Rembrandt in der Gesellschaft einrichtete. Dazu gehört 1634 die Heirat mit Saskia, die aber schon 1642 starb. Wie sich selbst, hat er seine Frau häufig gemalt und auch diese Bilder in den Markt gegeben. Dazu gehört ein „gutgelauntes“ Gemälde, das heute als übermütiges Selfie gelten würde: Es zeigt Saskia mit leicht geöffnetem Mund, was in Verbindung mit dem geradezu auffordernden Blick als unanständig galt. Rembrandt wagte sich für seine Zeit weit vor, wie es nur ein Künstler von seinem Kaliber durfte. Sowieso, wie er in jedem seiner Porträts psychologisiert und das Gesicht im Interieur oder aus dem braun-dunklen Umraum hervorleuchten lässt, ist sensationell. Sein detailgetreuer Realismus kehrt die Seele nach außen. Grandios fängt er familiäre Nähe, ja Intimität, aber auch Respekt und Distanziertheit ein. Er malt die Haut, so dass sie vor Leben pulsiert und das Alter der Porträtierten zu erkennen gibt. Er schreckt auch vor Hässlichkeit nicht zurück. Andererseits konnte kaum jemand sonst so den Prunk und kostbare Stoffe malen, etwa wenn es um exotische Turbane und Mäntel ging. Zu den Porträtierten gehören politische Honoratioren, Kirchenfürsten, Theologen, und in ihrem Ereignischarakter entstehen zugleich Historienbilder.

Und dann sind da die vielen Selbstbildnisse über die Jahrzehnte hinweg, die zu Zeugnissen von Aufstieg, gesellschaftlicher Teilhabe, Liebe, Ruhm, Trauer und Alter werden, in der Ausstellung schließend mit dem Rembrandt-Porträt im Kölner Museumsbesitz, bei dem sich der Künstler als lächelnder alter Mann – gebeugt, der Kopf weich und rund im Zentrum des Bildes – gemalt hat: Ist er glücklich, und was wäre dann das Geheimnis seiner Zufriedenheit? So gut, wie die Ausstellung gemacht ist, wird sie noch zur Parabel über das Leben schlechthin.

Inside Rembrandt | bis 1.3. | Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud | 0221 22 12 11 19

Autor

Thomas Hirsch

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