Rastlos bleiben – THEMA 03/15 Frauenmenschen

Frauen, hört auf, euch zu verstecken!, Foto: Laura Schleder

Rastlos bleiben – THEMA 03/15 Frauenmenschen

Frauen kämpfen immer noch um Gleichberechtigung im Beruf

Alice Schwarzer, 72 Jahre alt, gebürtige Elberfelderin, gilt als rastlose Kämpferin für die Emanzipation der Frau. „Wenn es eines Tages keine Rolle mehr spielt, ob ich ein Mann oder eine Frau bin, erst dann habe ich meine Zukunftsvision vom Zusammenleben der Geschlechter erreicht“, hat sie einmal gesagt. Seit mehr als 45 Jahren setzt sich Schwarzer für ihr Ziel ein. Dass sich die Situation der Frauen in Deutschland seitdem verbessert hat, wird niemand bestreiten. Dass es besser geht, auch nicht.

Frauen bemängeln, vor allem in der beruflichen Welt Nachteile zu haben. Das soll sich im Wesentlichen durch ein Stichwort ändern: die Frauenquote. Nun kann man dazu stehen, wie man will; ob es richtig ist, einen Wandel in den Köpfen von oben herab durchzusetzen. Angeschoben durch die lange Debatte um die berufliche Gleichstellung gibt es aber bereits Veränderungen. Das wird deutlich an der gewachsenen Zahl der Frauen-bezogenen Initiativen, Programme, Seminare oder auch Preisverleihungen.

Den Weltfrauentag am 8. März gibt es ja schon etwas länger. Aber in Kürze finden zum Beispiel auch noch der „Equal Pay Day“ (20. März) und der „Girl’s Day“ (23. April) statt. Ersterer soll die Gleichbezahlung voranbringen. Laut dem Statistischen Bundesamt verdienen Frauen 22 Prozent weniger Lohn als Männer. Das heißt, dass sie für ihre Arbeit umgerechnet jährlich erst ab dem 20. März, dem Tag des Equal Pay Days, bezahlt würden. Beim Girl’s Day kommen Mädchen in Kontakt mit Unternehmen, um überhaupt einmal einen guten Start ins Berufsleben zu haben. Der Fokus liegt dabei auf Berufssparten, in denen maximal 40 Prozent der Mitarbeiter weiblich sind. 2014 nahmen am Girl’s Day mehr als 100.000 Schülerinnen teil.

Der klassische Grund, warum sich viele Frauen gegen eine Karriere entscheiden, ist die Geburt und Erziehung von Kindern. Es macht ja Sinn, dass sich jemand um die Kinder kümmert – aber müssen es immer nur die Mütter sein? Ergebnisse des Mikrozensus von 2013 haben ungleiche Entwicklungen zwischen den Geschlechtern gezeigt. Insgesamt waren 2013 nur 61 Prozent der Mütter erwerbstätig, aber 84 Prozent der Väter. Das ist immerhin eine Steigerung. Im April 1996 waren es noch nur 55 Prozent der Mütter.

Natürlich versucht der Bund aus wirtschaftlichen Gründen, mehr Mütter in Arbeit zu bekommen. „Perspektive Wiedereinstieg“ heißt eine Initiative des Familienministeriums, mit der Frauen nach der Elternzeit zurück in den Arbeitsmarkt finden. Der Wiedereinstiegs-Check hilft bei der Entscheidung. Wichtiger ist wohl der Wiedereinstiegsrechner, der die Gehaltsperspektiven durchgeht. Bei den „Erfolgsgeschichten“ wird von Frauen erzählt, die es auch nach langjähriger Abstinenz vom Job geschafft haben, sich wieder im Berufsleben zurechtzufinden. Manche Unternehmen helfen mit, indem sie Programme für „Senior Trainees“ für Wiedereinsteiger eingerichtet haben. Viele finden eine Vollzeitstelle, indem sie zunächst einen Minijob oder eine Teilzeitstelle antreten. Oder Fortbildungen und Umschulungen machen.

Im gesellschaftsprägenden Berufsstand der Politiker sind Frauen immer mehr vertreten. Im 18. Bundestag sind von 631 Abgeordneten mehr als ein Drittel weiblich. Im 1. Bundestag traten 1949 nur 28 Frauen ihren Dienst an, das waren 6,8 Prozent. Dabei unterscheiden sich die politischen Karrieren von Männern und Frauen nicht, wie Forscher der Leuphana-Universität Lüneburg herausgefunden haben. Die Wissenschaftler haben den beruflichen Weg aller europäischen Premierministerinnen (14 von 290 Staatsoberhäuptern) miteinander verglichen. „Wir haben anhand unserer Daten kein typisches Muster finden können, in dem sich der weibliche Weg zur Macht von dem ihrer männlichen Kollegen unterscheidet“, sagte Professor Ferdinand Müller-Rommel zur Studie. Sie durchliefen ähnliche Stationen – Lokalpolitik, Parlament, Ministerium, Parteivorsitz. Im Schnitt brauchten sie 17 Karrierejahre, um mit Ende 40 Premierministerin zu werden. Es zählten Erfahrung und Professionalität, unabhängig vom Geschlecht.

Überraschend ist das jetzt vielleicht nicht, aber ein gutes Zeichen für die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Nichtsdestotrotz: Die Forscher haben ebenso herausgefunden, dass die weiblichen Staatsoberhäupter im Schnitt besser ausgebildet sind, weil sie häufiger studiert und promoviert haben, als die männlichen Kollegen. Das Forschungszentrum schließt daraus: „Es scheint also so zu sein, dass die Anforderungen an Frauen, die in der Politik Karriere machen wollen, in diesem Punkt höher sind als die an Männer“. Also zurück zu Frau Schwarzer: In Sachen Gleichberechtigung macht es Sinn, rastlos zu bleiben, bis das Thema erledigt ist. Und das gilt für alle.

Aktiv im Thema:
www.competentia.nrw.de

www.perspektive-wiedereinstieg.de
www.equalpayday.de
www.girls-day.de

Autor

FLORIAN SCHMITZ

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