Prima Tenore, neuer Orchesterchef

Auf den Flügeln des Gesangs: Julian Prégardien, Foto: Marco Borggreve

Prima Tenore, neuer Orchesterchef

Neuss startet mit frischen Events ins neue Konzertjahr

Meist verschwinden nacheifernde Töchter und Söhne berühmter Künstler spurlos – nicht ohne kurz zuvor zu bekunden, nicht zu wissen, ob die türöffnende Abstammung Fluch oder Segen gewesen sei. Von Mozarts musikalischem Sohn hat niemand mehr etwas gehört, die Bach-Söhne aber haben das Regiment mit neuer Ausrichtung auf gutem Niveau übernommen. Auch gute Stimmen vererben sich selten. Deshalb dürfen die Tenorfreunde berechtigt Freude zeigen, dass sich mit Julian Prégardien ein junger Sänger zu höchsten Weihen aufschwingt, im letzten Jahr sogar als Tamino in Mozarts Zauberflöte an der Staatsoper Berlin.

Im Konzertfach empfahl er sich unter der Leitung seines jetzt dirigierenden Vaters Christoph vor wenigen Wochen in einer Ausführung von Bachs Weihnachts-Oratorium als Chorist, Evangelist und Ariensänger – eine überzeugende Kammerversion, deren dreifache Tenorbelastung in dreierlei Stimmfächern höchste Flexibilität abverlangte. In den Zeughauskonzerten in Neuss präsentiert sich der Sänger, der als Professor in München selbst jüngere Stimmen schult, mit dem hochgelobten Pianisten Eric Le Sage in der Königsdisziplin der Sangeskunst: dem Liederabend.

Die deutsch-französische Freundschaft wird dabei nicht nur in der Besetzung angedeutet. Lieder von Schumann und Fauré begegnen uns im Konzert, Schumann mit seiner lokalen Affinität über seinen Dienst in der Nachbarstadt Düsseldorf, Fauré mit seinem typisch französischen Tonfall auf dem Weg in die Moderne, Eichendorffs Dichtungen treffen auf Verlaine.

Wer mehr Lust auf die Wiener Klassik verspürt und die Deutsche Kammerakademie Neuss mit ihrem neuen Chefdirigenten Christoph Koncz kennenlernen möchte, dem sei das Matinee-Konzert im Zeughaus ans Herz gelegt. Unter zehn Bewerbern wurde der Wiener an die Spitze des Ensembles gewählt, jetzt überreicht er seine Visitenkarte mit Musik der Wiener Meister Haydn und Mozart. Koncz spielte bereits mit neun im Film „Die rote Violine“ das Wunderkind Kaspar Weiss, was ihm natürlich nur gelang, weil er selbst auch ein sogenannter Wunderknabe war. Heute ist er ein Mitglied der Wiener Philharmoniker und darf auf einer Stradivarius aus dem Jahre 1707 musizieren.

Konzerte am 13. (Liederabend) und 16.2. (Matinee-Konzert) im Zeughaus, Neuss | www.zeughauskonzerte.de

Autor

OLAF WEIDEN

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