Performance-Kunst

Besondere Atmosphäre: Das Ambientfestival in der Apostelnkirche, Foto: Pramudiya

Performance-Kunst

Konzerte mit sakraler Stimmung, Didaktik und Rangeleien – Unterhaltungsmusik 01/16

Alle Jahre wieder: Der Kanadische Entertainer, Pianist, Hip Hopper etc. Chilly Gonzales, schon länger Wahlkölner, gibt sich zwischen den Jahren wieder die Ehre und hält in der Philharmonie seinen Grundkurs in Komposition und Wirkungsäshtetik ab. Mit Morgenmantel und Pantoffeln und dem Kaiser Orchester im Rücken werden wieder die Prinzipien großer Entertainerkunst offengelegt (29. + 30.12., je 20 Uhr, Kölner Philharmonie).

Das Winterjazz Festival fährt zum Jubiläum groß auf: Auf fünf Bühnen an drei unterschiedlichen Orten werden neunzehn Bands mit zusammen etwa 50 Musikerinnen und Musikern bei freiem Eintritt die Möglichkeiten des Jazz zwischen Forschungsdrang, Energie, Melodie und Sentiment entfalten. Weitere Infos unter winterjazzkoeln.com (8.1., 19 Uhr, diverse Orte). Bereits zum achten Mal präsentiert die c/o pop zum Jahresauftakt mit der Cologne Music Week ein Vorspiel zum großen Festival im Sommer zwischen Popsongs und Clubtracks. Zum ersten Mal wird es wie bei c/o-pop Konzerte in den Sendesälen des WDR geben. Auch neu ist der „Inclusion Infusion“-Konzertabend, an dem eine Gebärdensprachen-Dolmetscherin Texte und Stimmung der Songs übersetzen wird. Die regelmäßigen Gratiskonzerte mit Newcomern aus der Region wird es weiterhin geben, renommiertere Acts aus der Region spielen beim pop NRW Abend und aus der Region kommt viel Elektronik und Pop mit 80er-Jahre-Einschlag. Natürlich gibt es auch Bands, die von weiter her Anreisen, z.B. aus UK. Über 60 Bands und DJs spielen auf dem Festival. Weitere Infos unter colognemusicweek.de (18. – 23.1., diverse Orte). Der Januar wird vom Ambientfestival Zivilisation der Liebe gekrönt, das säkulare Musik mit der sakralen Atmosphäre in St. Aposteln vereint: Im 11. Jahr spielen unter dem Motto „Sapientia et Bonitas“ (Weisheit und Güte) – sehr brauchbare Tugenden nicht nur in diesen Zeiten – Minimal- und Ambientmusiker. In diesem Jahr ist die einflussreiche Minimal-Legende Charlemagne Palestine mit dabei, außerdem spielt das Krautrock-Urgestein Hans-Joachim Roedelius (Cluster, Harmonia). Daneben präsentiert das Festival auch viele jüngere Musiker aus aller Welt und auch neue Talente aus Köln. Infos under ambientfestival.de (28. – 30.1., St. Aposteln).

Weniger seriös: Das Performance-Kollektiv HGIch. T mit Stumpf-Techno und debilen Texten stürmt wieder einmal die Bühne und wird sich damit wohl nicht zufrieden geben: Übergriffe ins Publikum sind an der Tagesordnung – also nachher nicht beschweren (23.1., 19.30 Uhr, Underground). Nochmal gallopierender Irrsinn – dieses Mal Abteilung Hip-Hop, Schublade Swag-Rap, Cloud-Rap, Trap … whatever: Der Kölner LGoony rapt von Geld und Girls und Drogen, wie es sich gehört für einen naisen Boi wie ihn, mit ordentlich Autotune auf Stimme, wabbernden Melodien und tiefen Bässen. Der Wiener „König der Alpen“ Crack Ignaz steht ihm bei (27.1., 20 Uhr, Yuca im Club Bahnhof Ehrenfeld). Und ein drittes Mal Irrsinn: Fraktus kehren mit ihrem Technopop zurück auf die Bühne. Zwar dieses Mal ohne Film, aber mit neuer Platte. Ob der Humor daheim funktioniert, sei mal dahingestellt, aber der Albumtitel „Welcome to the Internet“ ist schon mal eine prophetische Ansage. Live wird es dann wieder die üblichen Rangeleien und Beschimpfungen zwischen den allseits bekannten Bandmitgliedern der Elektronikpinoniere aus den 80er Jahren geben (28.1., 19 Uhr, Live Music Hall).

Autor

CHRISTIAN MEYER

Dieser Artikel erschien auf www.choices.de, lesen Sie weitere Artikel auf www.choices.de/musik

0