Ohne Bütt jeck und bekloppt

Das Schlauchboot ist voll: Eingangsszene der Immisitzung, Foto: Immis

Ohne Bütt jeck und bekloppt

Auf Karnevalshows folgt der politische Aschermittwoch  – Komikzentrum 02/16

Kaum sind die weihnachtlichen Lichterketten verschwunden, werden die gebunkerten Karnevalskostüme aus der Mottenkiste geholt – zwecks angemessenem närrischen Treiben. Angesichts der relativ kurzen Session – Rosenmontag ist bereits am 8. Februar – muss man sich sputen, um keine der wirklich witzigen Sitzungen wie die der Stunker (Di 2., Mi 3., Fr 5., Sa 6., So 7. Di 9.2. im E-Werk, Köln-Mülheim) oder die Immisitzung, die unter dem schönen Motto „Jede Jeck is von woanders“ im Kölner Bürgerhaus Stollwerck (Di 2., Mi 3., Fr 5., Sa 6., So 7., Di 9.2.) über die Bühne geht. Schauspieler und Musiker aus Brasilien, Spanien, der Türkei, Ägypten und anderen Ländern mischen in ihrer dreistündigen Show den Status quo im Einwanderungsland Deutschland auf.

Oder man macht sich auf den Weg nach Bonn, wo mit Pink, Punk, Pantheon (PPP) eine hinreißend komische Alternative zum rheinischen Brauchtum zu bekichern ist. Dabei ist PPP eine Revue, die ins 33. Jahr geht und deren Vereinsvorsitzende Herrmann Schwaderlappen und Fritz Litzmann mit ihrer erstaunlichen Trinkfestigkeit regelmäßig Lachtränen provozieren. Wer sich davon überzeugen möchte: Gelegenheit dazu gibt es am Mi 3., Fr, 5., Sa 6., So 7., Mo 8. und Di 9.2.). Es scheint im Übrigen ganz so, als ob es das letzte Mal sei, dass PPP im Pantheon am Bundeskanzlerplatz zu erleben ist, weil das Theater voraussichtlich im Herbst nach Bonn-Beuel umziehen muss. Man will schließlich nicht dabei sein, wenn das Bonn-Center dem Erdboden gleichgemacht wird.

Auf den jecken Kleinkunst-Zug aufgesprungen sind inzwischen auch andere Bühnen wie etwa das Atelier Theater, in dem am Sa 6. und Do 7.2. der Hauskünstler Torsten Schlosser eine Reihe von Gästen eingeladen hat, die mit ihm eine „total bekloppte Karnevalsshow“ abziehen wollen. „Kwartier La Täng Alaaf 2016“ heißt der Abend, an dem Hildegard Scholten für die großen Gefühle und Mirja Regensburg für durchgeknallten Quatsch zuständig ist. Hinzu kommt der musikalische „Känguru(h)-Mann Jan Goeroe, auf dessen Auftritt man gespannt sein darf, weil er das Theater zum ersten Mal beehrt. Am Klavier begleitet wird die Revue von Daniel Slawik.

Ins Senftöpfchen-Theater wiederum kommen die Springmäuse aus Bonn mit „Janz Jeck“, ein Improvisation-Spektakel rund um Verkleidungs-Orgien (am Do 4.2.). Die Moderatorin Christine Westermann („Zimmer frei“) stellt die von Stefan Worring fotografierten Bilder vor: „Karneval – Bilder, Geschichten und ein Akkordeon“ erlauben einen tiefen Einblick in die bunte Welt der Straßen- und Sitzungsaktivitäten und zeigen, „was den Karneval im Innersten antreibt und zusammenhält“. Wer wollte das nicht schon längst wissen?

Handfeste Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit liefert dagegen Hagen Rether (am Fr 5.2. in der Bonner Oper), Frank Lüdecke schlägt am Mi 10.2. im Senftöpfchen-Theater unter dem Titel „Schnee von morgen“ mit einem Special zum politischen Aschermittwoch zu, ein besonderer Tag, der im Pantheon von einem kabarettistischen Kehraus gekrönt wird. Mit dabei: Neben Rainer Pause und Norbert Alich werden Sebastian Pufpaff, Martin Zingsheim und Barbara Ruscher kräftig auf die Zwölf hauen. Mehr davon – fordert die Ihnen stets ergebene Anne Nüme.

Autor

ANNE NÜME

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