Musik als Tonspur und Thema

Techno in die Wüste: „Raving Iran“, Foto: Rise and Shine Cinema

Musik als Tonspur und Thema

„SoundTrack_Cologne“ und „See the Sound“ widmen sich der Musik im Film

Der Übertrag in den Kalender 2015 ging beinahe schief: Viele Jahre lang fand der Kongress zum Thema Musik im Film mit dem ihm angeschlossenen Festival mit Musikfilmen im November statt. Doch im vergangenen Jahr hat das Festival-Doppel „SoundTrack_Cologne“ und „See the Sound“ den angestammten Platz im Herbst zugunsten eines späten Sommertermins aufgegeben. Zum einen ist der Herbst in Köln traditionell durch die Festivalkombi CineCologne, das Film Festival Cologne (ehemals Cologne Conference) und Filmplus eh immer sehr dicht mit Filmveranstaltungen belegt. Zum anderen bot sich schon lange ein Schulterschluss mit dem Musikfestival c/o-Pop an, der im letzten Jahr mit der Verlegung in den August konsequent vollzogen wurde.

Der Kongress SoundTrack_Cologne gliedert sich in drei Thementage zu Games (25.8.), Spielfilm (26.8.) und Fernsehen (27.8.), an denen jeweils namhafte Komponisten und Musiker einen Einblick in ihre Arbeit geben. Die Games-Komponistin Jessica Curry wird den Auftakt machen. Der ehemalige Red Hot Chilli Peppers-Schlagzeuger Cliff Martinez spricht einen Tag später über seine Arbeit an Filmen von Steven Soderbergh („Traffic“, „Solaris“), Nicolas Winding Refn („Drive“) oder Harmony Korine („Spring Breakers“). Außerdem werden Ilan Eshkeri („Still Alice“, „Kick-Ass“, „Shaun – das Schaf“), Jasmin Reuter und ihre Regisseurin Anne Zohra Berrached („24 Wochen“) sowie der oscarnominierte Gary Yershon („Happy-Go-Lucky“, „Mr. Turner“) als Gäste für den Thementag Spielfilm erwartet. Der in Los Angeles lebende deutsche Komponist Reinhold Heil wird am Thementag TV über seine Arbeit sprechen. Er zeichnet u.a. für die Musik in „Lola Rennt“, den Blockbuster „The International“ und die internationale, starbesetzte Produktion „Cloud Atlas“ verantwortlich und erhielt im Frühjahr einen Grimme-Preis für seine Musik zur Fernsehserie „Deutschland 83“. Daneben werden der Serien-Komponisten Jeff Russo („Fargo“) und Miriam Cutler („Ethel“, „The Hunting Ground“) and Łukasz Targosz („Floating Skyscrapers“, „The Game“) erwartet.

Während sich SoundTrack_Cologne mit seinen Werkstattgesprächen, Workshops und Präsentationen vor allem an ein Fachpublikum richtet, ist das Filmfestival „See the Sound“ ein Publikumsfestival. Um die 20 Langfilme und ein Kurzfilmprogramm werden gezeigt, darunter neun Deutschlandpremieren und eine Weltpremiere. Der Eröffnungsfilm „Raving Iran“ begleitet das DJ-Duo Blade & Beard auf ihren illegalen Wüstenraves und zur Streetparade in Zürich. Die Doku „Goodnight Brooklyn: The Story of Death by Audio“ beschreibt, wie der renommierte Club Death by Audio in Williamsburg, Brooklyn, von dem Musikmagazin Vice vertrieben wird. Als Soundtrack zum Untergang gibt es Musik von Ty Segall, Deerhoof, Dan Deacon u.a. Der legendäre Musikdokumentarist Julien Temple („The Great Rock ’n‘ Roll Swindle“) hat mit „The Ecstasy of Wilko Johnson“ die Abschiedstournee des Dr. Feelgood-Gitarristen eindrucksvoll mit Verweisen auf Filme von Bergman und Tarkowski vermengt. Dokus über die Soulsängerin Mavis Staples, die Jazzsänger Nina Simone und Jimmy Scott, eine afrikanische Metal-Band, den Rumba-König Xavier Cugat, Stoner Rock, nordkoreanische Musik oder den Komponisten Samuel Barber zeigen die Spannbreite des Programms. Und auch „In Pursuit of Silence“, eine Doku über die Stille, findet hier Platz. Im Wettbewerb wird der Preis für die beste Musikdokumentation vergeben.

SoundTrack_Cologne / See the Sound
24.-28.8., diverse Orte
www.soundtrackcologne.de

Christian Meyer

Dieser Artikel erschien auf www.choices.de, lesen Sie weitere Artikel auf www.choices.de/kino

0