Moderne Klassiker

Foto: Frank Sauer

Moderne Klassiker

Filmmusik in Dortmund, Essen und Köln

Stretchlimousinen galten damals wohl als Standardmodell. In stetem Wechsel spuckten sie Menschen in festlicher Abendrobe aus, die sich in Bostons Symphony Hall einfanden. An diesem winterlichen Abend im vorigen Jahrhundert dirigierte John Williams sein Boston Pops Orchestra plus Chor in einem Weihnachtskonzert. Die Gäste saßen an kleinen Bartischen, junge Damen in Nikolauskostümen servierten kalte und warme Getränke, auf der Bühne wuchtete unterdessen Chefdirigent Williams Händels „Halleluja“ aus den Kehlen seiner Sänger. Hier war die hehre Klassik/Barock-Kost Mittel zum Zweck, einen gemütlich unterhaltsamen Abend mit Freunden zu genießen – und mit anspruchsvoller wie ansprechender Musik. Dieses Format, erprobt in Amerika seit 120 Jahren, ist bis heute nicht in Europa angekommen. Jetzt stürmen immerhin die Werke zweier Filmkomponisten, Spitzenkräfte der in Deutschland unter dem Begriff U-Musik geführten Sparte, die Sakralbauten der Klassischen Musik.

Der unglaublich rüstige und vitale 90-jährige John Williams, dessen zahllose Werke und Auszeichnungen hier unerwähnt bleiben dürfen, treibt sich schon immer auch in der aktiven Musikszene herum. Ein sattes Jahrzehnt lang bekleidete er die Chefposition in Boston, auch gastiert er im August beim Tanglewood Festival, der musikalischen Talentschmiede der USA. Hier feiern seine Freunde den runden Geburtstag des Komponisten in einem Konzert, an dem unter anderem drei echte Weltmusiker teilnehmen: Der Jazzer Branford Marsalis, der Klassik-Cellist Yo-Yo Ma und aus Deutschland der Allround-Schlagwerker Martin Grubinger. Anne-Sophie Mutter spielte hier vor Kurzem die Premiere von Williams’ Violinkonzert.

Berühmt sind in Deutschland die Hasstiraden des Münchner Professors Moritz Eggert, die er in seinem „BadBlog Of Musick“ veröffentlicht: „Ich hasse Hans Zimmer! Billiger und abgefuckter, zynischer und talentloser geht es kaum noch.“ Da sind allerdings sehr viele Menschen anderer Meinung, besonders die mit den großen Checks in Hollywood. Im Ranking europäischer Tonsetzer kommt Zimmer in den Staaten wahrscheinlich direkt hinter Falco, mit Sicherheit aber Lichtjahre vor Eggert. In jedem Falle versprechen die bombastischen Partituren der Blockbuster bildhafte Musikerlebnisse: Die Vorlagen sind hinlänglich bekannt.

The Sound of Hans Zimmer & John Williams | 10.4.19.30 Uhr, Dortmund (0231 22 69 62 00) | 16.4. 20 Uhr, Köln (0221 280 280) | 17.4. 19.30 Uhr, Essen (0201 812 22 00)

Autor

OLAF WEIDEN

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