Melting-Pott

Gato Preto, Foto: Alexander Wurm

Melting-Pott

Ruhr International in Bochum

Wer eine Auszeit von dem Geschwafel um Leitkultur und Heimatbegriff braucht, kann sich Mitte Juni in und um die Bochumer Jahrhunderthalle bei der vierten Ausgabe des Festivals „Ruhr International“ entspannen. Menschen aus der Türkei, Syrien, Iran, Bulgarien, Nord-Irak, Usbekistan, Portugal, Großbritannien, Russland, Polen Ukraine, Aserbaidschan und aus Teilen Afrikas kommen tief im Westen zusammen, um friedlich, familienfreundlich, aber auch ausgelassen zu feiern.

Musikalische Performances, eher fetzig als festlich, nehmen in diesem Jahr wieder den größten Raum im Programm ein. Weltmusik – hipper formuliert Global Beats – ist dabei das faul-schwammige Label, das durch westliche Musikstile geprägte ZuhörerInnen dieser Vielfalt gern überstülpten. Die selbstironische Bezeichnung „Migrantenpop“, die Ruhr International gewählt hat, ist schon besser geeignet, um die beim Festival vertretenen Musikstile zu fassen. Der Emek Chor hat sich beispielsweise der Volksmusik aus Anatolien verschrieben, das Dialogprojekt „Dubarabi“ versucht, den traditionellen Tarab mit Electro zu verbinden. Bei Eurasian Unity handelt es sich um ein multikulturelles Jazz-Ensemble und Tobias Bülow und Hawre Karim präsentieren ihre kurdisch-orientalische Fusion mit indischen Einflüssen.

Zum Konzept von Ruhr International gehört auch die Kooperation mit lokalen MusikerInnen. Hüsnü Işık ist als Bağlama-Virtuose in Bochum bekannt, von der Musikschule Bochum ist neben der Weltmusikgruppe Grenzen. Los auch erstmals das PADI Percussion Orchestra live zu sehen, bestehend aus 24 geflüchteten und einheimischen MusikerInnen. International bekannt sind hingegen The Hempolics aus London oder Gato Preto, die Favela-Funk aus Rio und afrikanische Township-Grooves zu afrofuturistischem Global-Bass kombinieren. Mit Orlando Julius kommt außerdem eine Legende nigerianischer Musik nach Bochum. Außerdem im Programm: Hip-Hop, (Tanz)theater, Lesungen, Comedy, Kabarett, Zirkusakrobatik und ein wilder Performance-Mix des Transnationalen Ensembles Labsa aus Dortmund sowie ein spezielles Kindermitmachprogramm der IFAK.

Ruhr International | Sa 16. & So 17.6. | Jahrhunderthalle Bochum | www.ruhr-international.de | Eintritt frei

Autorin

MAXI BRAUN

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