Liebe in der Puszta

Tanja Christine Kuhn, Foto: Björn Hickmann

Liebe in der Puszta

Operette „Gräfin Mariza“ in Dortmund

„Wo wohnt die Liebe? Wen soll ich fragen?“ Der Dame kann geholfen werden: Natürlich wohnt die Liebe in der Puszta, wo das Glück ein schöner Traum ist und die Leidenschaft heißer noch als Gulaschsaft brennt. Vor 99 Jahren hat Emmerich Kálmán mit seiner „Gräfin Mariza“ eine melodienselige Hommage an das Ungarland der Operette geschaffen. Sein Ziel war, den Erfolg der „Csardasfürstin“ zu wiederholen – einer der wenigen Operetten, die bis heute regelmäßig aufgeführt werden. Aber diesmal ist es keine Brettl-Diva aus einem Provinzvarieté, die sich durch Heirat emporgeadelt hat. Diesmal steht mit der Gräfin Mariza eine höchst selbstbewusste Frau auf der Bühne, die keine Lust hat, sich wegen ihres Geldes heiraten zu lassen.

Ja, die Liebe, die blüht nur dort, wo die „Zigeunergeigen“ ihre schwermütig-gefühlvollen Klänge in die Herzen singen, und dort will Mariza einmal glücklich sein. Zunächst wehrt sie sich jedoch gegen Mitgiftjäger mit einer originellen Idee: Sie gibt landesweit Anzeigen auf, in denen sie ihre Verlobung mit einem Baron Koloman Zsupán bekannt gibt. Für Kenner: Es ist just der Schweinezüchter aus Johann Strauß‘ „Zigeunerbaron“.

Wie dumm nur, dass es den schinkenproduzierenden Landadligen wirklich gibt. Er erscheint rechtzeitig zum (fingierten) Fest und klagt sein Recht als Verlobter ein, zumal ihm die bis dato unbekannte Braut ganz gut gefällt. „Komm mit nach Varasdin“, fordert er sie mit einer der unsterblichen Melodien Kálmáns auf, denn dort „ist die ganze Welt noch rot-weiß-grün“. Dass es da noch einen anderen Liebhaber gibt und der herzzerreißende Gefühlskonflikt vorprogrammiert ist – wen wundert’s in der Operette?

In Dortmund fegen die Csárdás-, aber auch die damals modernen Foxtrott- und Slowfox-Klänge ab 3. Dezember über die Bühne des Opernhauses. Für den Schwung und das nötige Sentiment sorgt die neue Zweite Kapellmeisterin Olivia Lee-Gundermann als selbstbewusste Frau am Dirigentinnenpult. Wie „ungarisch“ die Szene wird, entworfen von Toto, dem Bühnenbildner der Dortmunder „Lustigen Witwe“, zeigt sich noch – aber die Regie von Thomas Enzinger, Intendant des Lehár-Festivals Bad Ischl, verspricht unbeschwerten Operettenspaß. Dass er das kann, hat er in Dortmund mehrfach, zuletzt mit der „Lustigen Witwe“, bewiesen.

Gräfin Mariza | 3. (P), 9., 18., 22.12., 5., 21., 25.1. und weitere Termine | Oper Dortmund | 0231 50 27 222

Autor

WERNER HÄUSSNER

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