Lauter Störenfriede

Nur eine Stunde Ruhe

Lauter Störenfriede

Die Filmstarts der Woche

In Patrice Lecontes „Nur eine Stunde Ruhe!“ findet Michel Leproux (Christian Clavier, „Monsieur Claude und seine Töchter“) auf dem Trödelmarkt eine alte Schallplatte, die er schon sein ganzes Leben lang gesucht hatte. Voller Vorfreude, sie endlich hören zu können, eilt er nach Hause. Doch der Zufall will es, dass seine Wohnung an diesem Tag im Chaos versinkt. Seine Geliebte (Valérie Bonneton) bittet zur Aussprache, auch seine Frau (Carole Bouquet) hat Michel etwas zu beichten, der umtriebige Nachbar (Stéphane De Groodt) organisiert eine Hausparty, und im Zimmer des mittlerweile erwachsenen Sohnes sind Schwarzarbeiter damit beschäftigt, Wände einzureißen – und ganz nebenbei für einen Wasserrohrbruch zu sorgen. An die benötigte Stille, um sich mit Hingabe dem Neuerwerb zu widmen, ist da gar nicht zu denken. Den Bühnenursprung merkt man Lecontes Film zwar nach wie vor an, was sich allerdings nicht nachteilig bemerkbar macht. Seine rasante Inszenierung und das punktgenaue Spiel seines gut besetzten Hauptdarstellers sowie einige formidabel gecastete Nebenrollen (u.a. Rossy de Palma aus den Pedro-Almodóvar-Filmen als spanische Haushaltshilfe, Jean-Pierre Marielle in einem Gastauftritt gegen Ende) lassen den turbulenten Ulk wie im Flug vorübergehen.

Die dreifache Mutter Maria (Angeliki Papoulia) steckt voller Lebenslust. Um im Laden ihrer Eltern auszuhelfen, bricht die Griechin das Studium ab. Nach und nach tun sich Abgründe auf, die Eltern sind heillos verschuldet. Maria flüchtet sich in eine Verzweiflungstat. Regisseur und Co-Autor Syllas Tzoumerkas erzählt in „A Blast – Ausbruch“ eine düstere Parabel zur Lage Griechenlands. Stationen des Ruins kulminieren hier schmerzhaft in einer Familiengeschichte, die zu einem Anti-Familiendrama erwächst. Die Geschichte einer jungen, hoffnungsvollen Generation, die Opfer unbedarfter elterlicher Verfehlung wird. Tzoumerkas erhebt keinen Zeigefinger, sondern vollzieht seine Geschichte assoziativ, nackt und emotional mitreißend nach.

Zwei Frauen, zwei Schicksale. Pianistin Kate (Hilary Swank) steht mitten im (Ehe-)Leben und wird von der tödlichen Krankheit ALS heimgesucht. Bec (Emmy Rossum), eine chaotische, musikalisch talentierte aber erfolglose Studentin, wird Kates Pflegerin. Die gegensätzlichen Frauen geleiten einander durch eine intensive Lebensphase im Angesicht des Todes. Auf dem Weg zum unvermeidlich tragischen Finale, das filmisch jedoch auf recht dezente Weise gelöst wurde, vermittelt George C. Wolfes Drama „Das Glück an meiner Seite“ einige entscheidende Erkenntnisse, die um Themen wie Hoffnung, Freundschaft und den Wert des Lebens kreisen. Auch die Tatsache, dass einem sterbenskranken Menschen nicht unbedingt damit gedient ist, ihm trügerische Zuversicht zu vermitteln, bringt der Film auf angenehm unspektakuläre Weise überzeugend herüber.

Dessau in der DDR, 1985. Der 18-jährige Frank (Gordon Kämmerer) sieht im West-Fernsehen Breakdancer und ist unmittelbar angefixt von den Straßenakrobaten. Mit seinem besten Freund und der Turnerin Martina (Sonja Gerhardt) entwickelt er den Kult aus den USA auf den Straßen zur Perfektion. Das passt der Stasi gar nicht. Naiv wie so manche 80er-Jahre-Komödie kommt Jan Martin Scharfs wahre Geschichte „Dessau Dancers“ mit Rainer Bock und Wolfgang Stumph daher, entwickelt aber eben daraus auch ihren Charme. Scharf und sein Team sind am Montag, 13.4. um 20 Uhr zur Deutschlandpremiere im Cinenova.

Die Menschheit wächst, unerbittlich. 2050 werden wir zehn Milliarden sein. Zehn Milliarden Mäuler, die gestopft werden wollen. Das ist nicht nur eine Herausforderung, das ist auch eine finanziell verlockende Chance. Gleich zu Beginn von Valentin Thurns Doku „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ ruft die Bayer AG verantwortungsbewusst zur Vorsorge auf. Mit Bayer-Hybridsaatgut, versteht sich. Thurn reist rund um den Globus und spricht mit Forschern, Lobbyisten, Bauern. Sein Film entlarvt zum einen Rhetorik und Hintergedanken der Lebensmittelindustrie und zeigt zum anderen, dass der industrielle und oftmals politisch subventionierte Weg keinesfalls alternativlos ist.

Außerdem neu in den Kinos: Jaume Collet-Serras Actionthriller „Run All Night“, Chris Rocks Läuterungskomödie „Top Five“ und Grégory Levasseurs Archäologenschocker „The Pyramid – Grab des Grauens“.

Autor

REDAKTION trailer-ruhr.de

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