Ladies Night

Das fehlende Grau

Ladies Night

Die Filmstarts der Woche

Einer Frau (Sina Ebell) liegen die Männer zu Füßen. Aber die meisten von ihnen sind ohnehin schon ganz unten. Unter frivolen Versprechungen verführt sie sie und spielt ihre Spielchen, gemein und gefährlich. Sie agiert in wechselnden Rollen, mit wechselnden Partnern, während in ihr selbst seelische Abgründe wabern. Nadine Heinze und Marc Dietschreit zeichnen in „Das fehlende Grau“ das Psychogramm einer jungen Frau, die als krankhaft Getriebene Nähe sucht und verspricht – und doch nicht geben und nehmen kann. Ein zeitloser, dennoch hochaktueller Film. Zusammen mit ihrer Hauptdarstellerin sind Heinze und Dietschreit am Donnerstag, 25.6. um 19.30 live zu Gast in der Filmpalette.

Als Kriegsgefangener in Japan durchlebte der britische Soldat Eric Lomax (Colin Firth) die Hölle. Jahrzehnte später lebt er zurückgezogen in England. Noch immer ist er traumatisiert, versteckt sich jedoch hinter einer Mauer des Schweigens. Als er sich verliebt, versucht seine Partnerin, ihn zu öffnen. Der australische Regisseur Jonathan Teplitzky erzählt in „Die Liebe seines Lebens“ reflektiert, kraftvoll und komplex von den Spätfolgen der Taten unmenschlicher Menschen. Davon, wie der Krieg die Beteiligten lebenslang zerfrisst. Davon, dass Rache eine Tat nicht zwingend aufwiegen kann. Von Läuterung, Vergebung und Versöhnung.

Vom Stiefvater in ein Diakonie-Heim abgeschoben, erwarten den 14-jährigen Wolfgang dort statt christlicher Nächstenliebe die Erziehungs-Methoden der Nazi-Zeit. Marc Brummunds „Freistatt“ ist ein Film wie ein Schlag in die Magengrube. Und ein seltenes Beispiel dafür, dass man in Deutschland auch packendes Genre-Kino machen kann. Was zum einen an den in ihrer grobkörnigen Farbgebung die Zeit authentisch widerspiegelnden Bildern von Kamerafrau Judith Kaufmann liegt. Zum anderen an Brummonds für einen hiesigen Debüt-Film erstaunlich stilsicherer Regie. Hinzu kommt seine präzise Schauspielführung, die uns vor allem mit dem jederzeit authentisch wirkenden Louis Hofmann mitleiden lässt. Brummund und Hofmann sind am Mittwoch, 1.7. um 20 Uhr zu Gast im OFF Broadway.

Die Wellen an der marokkanischen Atlantikküste ziehen regelmäßig europäische Windsurfer an. Der Fischer Fettah findet Freunde unter ihnen, die in ihm das Fernweh wecken. Als er sich in einer Niederländerin verliebt, bricht er endgültig seine Zelte ab und reist ihr hinterher. Übers Meer! Jan-Willem van Ewijk gelingt mit „Atlantic.“ ein ozeanisches Abenteuerdrama über einen Mann, der seinen Sehnsüchten folgt.

Wer schon immer mal wissen wollte, wie es hinter dem Laufsteg einer Marke wie Dior zu geht, der kann sich Frédéric Tchengs Dokumentarfilm „Dior und ich“ zu Gemüte führen. Der folgt dem Modeschöpfer Raf Simons, der gerade seine erste Kollektion für das traditionelle französische Modehaus kreiert. Der Film dokumentiert Zeitdruck, Schaffensprozess, Macken innerhalb des Prozesses. Und aus dem Off gibt es Statements von Christian Dior persönlich.

Die dreizehnjährige Lili lebt zusammen bei ihrem Vater in Budapest. Als der aus Gram ihren Hund Hagen aussetzt, gelangt der Vierbeiner an ein Rudel Streuner. Tierfänger und Hundekampftrainer machen den Tieren zu schaffen – bis sie zurückschlagen. Kornél Mundruczós „Underdog“ ist origineller Tierhorror, der ohne Computertricks auskommt und nicht versäumt, auf das Schicksal von Straßenhunden in Ungarn aufmerksam zu machen.

Außerdem neu in den Kinos: Seth MacFarlanes Komödiensequel „Ted 2“, Gary Rydstroms animiertes Märchenmusical „Strange Magic“ und Ask Hasselbalchs skurrile Superheldenfortsetzung „Antboy – Die Rache der Red Fury“.

Autor

REDAKTION choices.de

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