Kurz und schnell

Antikriegsfilm „How to Disappear“ von M. Stumpf, L. Müllner und R. Klengel, Foto: Presse

Kurz und schnell

Kurzfilmfestival Köln zeigt aktuelle Filme mit Gegenwartsbezug

Kurz heißt auch schnell! Denn der Kurzfilm wird schneller gesehen, aber auch schneller gemacht als ein Langfilm. Und damit ist kann er auch aktueller sein und auf die Gegenwart reagieren. Das ist ein wichtiger Pluspunkt und eine Chance für den Kurzfilm in einer Zeit, in der sich rasend schnell alte Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten auflösen. Denn für gewöhnlich ist der Kurzfilm zwar überall anzutreffen, aber doch fast unsichtbar. Einerseits ist er die Keimzelle der gesamten Filmgeschichte – mit dem Kurzfilm fing alles an. Doch mit der Ablösung durch das Langformat ist er zunächst ins Vorprogramm gerutscht und dann schon bald ganz aus dem Kinoalltag gewichen. Andererseits ist der Kurzfilm auch die Keimzelle eines jeden Filmemachers: Als Fingerübung von Filmstudenten hat er immer noch seinen festen Auftrag, verbunden mit der Hoffnung auf eine Eintrittskarte in das große Filmgeschäft. Der Kurzfilm wird allerdings auch häufig missverstanden als reines Übungsformat für Filmstudenten, dabei handelt es sich doch um eine eigene Kunstform mit einer ganz eigenen Dramaturgie.

Zur regelrechten Blüte hat er es hingegen in Regionen gebracht, in denen sein Name nur selten fällt: Getarnt als Musikclip, als anspruchsvoller Werbefilm oder als Künstlervideo findet man ihn überall – nur nicht im Kino. Außer bei Kurzfilmfestivals. Dort weiß man seine Vielfältigkeit, seine Wandlungsfähigkeit, seine Spontaneität, seine Komplexität ebenso wie seine Einfachheit zu schätzen und würdigt sie mit einem bunten Programm von und für alle Kurzfilm-Aficionados. Auf Festivals wächst und gedeiht er und erfreut such größter Beliebtheit.

Dass man die Einschränkung und Knappheit des Formats auch als künstlerische Herausforderung begreifen kann, muss man hier niemandem erklären. Nicht umsonst kehrt so mancher gestandene Spielfilmregisseur immer mal wieder zum kurzen Format zurück. So auch Jonathan Glazer („Sexy Beast“, „Under the Skin“), der mit „Strasbourg 1518“ experimentell an eine historische Tanzhysterie erinnert. Gefilmt hat er mit Tänzern in Corona-Isolation und belegt damit auch die These von der Schnelligkeit des Mediums.

Der Film des ehemaligen Music-Clip- und späteren Spielfilm-Regisseurs läuft auf dem Kurzfilmfestival Köln, das vom 18. bis zum 22. November zum 14. Mal Perlen der kurzen Filmkunst zeigt. Trotz Krise und Unruhe zeigt das Festival mit rund 100 Filmen mehr Programm denn je. Es gibt fünf Kurzfilmprogramme mit den Wettbewerbsfilmen, drei Programme im Rahmen von „Best of Festivals“, zwei Blöcke der Sektion „New Aesthetic“, zwei historische Programme mit deutschtürkischem Kino, den Länderschwerpunkt Niederlande, ein Programm zum Thema „Was kann Familie?“, ein Programm zum Thema passiver Widerstand, das „Kölner Fenster“ mit regionalen Filmen, ein Gastprogramm des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund/Köln, einen Fokus auf den Künstler Nicolaas Schmidt, zwei Kinderprogramme (es gibt auch einen Trickfilmworkshop) sowie ein Virtual-Reality-Programm. Das Festivalfinale wird wie immer von den feierlichen Preisverleihungen geprägt sein, u.a. wieder dem choices-Publikumspreis. Ein Teil des Programms wird in diesem Jahr aus gegebenem Anlass zusätzlich online bereitgestellt.

14. Kurzfilmfestival Köln | 18. – 22.11. | div. Orte | www.kffk.de

Autor

CHRISTIAN MEYER-PRÖPSTL

Dieser Artikel erschien auf www.choices.de, lesen Sie weitere Artikel auf www.choices.de/Kino

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