Komprimiertes Zeitgeschehen

„Almajiri Boy“ von Marco Gualazzini, Foto: Marco Gualazzini

Komprimiertes Zeitgeschehen

World Press Photo Award im Depot

Es ist dunkel, die Szenerie ist nur durch die Autoscheinwerfer erkennbar. Ein kleines Mädchen steht weinend vor seiner Mutter, die von einem texanischen Grenzpolizisten abgetastet wird. Wir sehen weder das Gesicht der Mutter, noch das des Polizisten, begeben uns direkt auf die Höhe des Kindes. Klein wirkt das Mädchen gegen die mächtigen Reifen des Polizeifahrzeuges. Hilflos die Mutter, die ihre Tochter nicht trösten kann. Nachdem Fotograf John Moore das Bild einer ernüchternden Ankunft in den verheißungsvollen USA veröffentlicht hatte, führten Proteste letztlich dazu, dass an der Grenze keine immigrierenden Familien mehr auseinandergerissen wurden und Donald Trump seinen rigiden Kurs gegen Einwanderer*innen zumindest in dem Punkt abmilderte. John Moores Foto wurde am 11. April zum World Press Photo of the Year gekürt – es ist aber nur eines von sechs nominierten Bildern, die alle die Auszeichnung verdient hätten.

Seit 1955 würdigt der Award Engagement sowie handwerkliche und künstlerische Fähigkeiten von journalistischen Fotograf*innen. Von den für 2018 insgesamt 78.801 eingereichten Fotos wurden 43 Fotograf*innen aus 25 Ländern ausgezeichnet – laut Website sind Frauen und Männer paritätisch vertreten. Die bestehenden Kategorien blieben bei der 62. Ausgabe unverändert. Neben dem World Press Photo of the Year wurden Einzelbilder und Serien in acht Sparten ausgezeichnet, wie Zeitgeschehen, Umwelt, Sport oder Porträt. Neu ist in diesem Jahr die „World Press Photo Story of the Year“. Mit den Auszeichnungen werden Fotograf*innen geehrt, die mit ihrer Bildserie die Geschichte eines wichtigen Ereignisses des vergangenen Jahres erzählen. Die Ausstellung wandert seit Preisvergabe an 100 Orte weltweit – einer davon ist Dortmund.

Im Depot werden die großformatigen Arbeiten mit kontextualisierenden Texttafeln versehen. Da auch Fotos aus Kriegs- und Krisenregionen zu sehen sind, ist die Ausstellung ab 14 Jahren empfohlen. Im sweetSixteen läuft flankierend zum Wolrd Press Photo Award Jean Michel Vecchiets Dokumentarfilm über Modefotograf Peter Lindbergh.

World Press Photo Award | 25.5. – 16.6. | Depot Dortmund | www.depotdortmund.de

Autor

MAXI BRAUN

Dieser Artikel erschien auf www.trailer-ruhr.de, lesen Sie weitere Artikel auf www.trailer-ruhr.de/kunst

0