Klima selber retten
Anreize für ein neues Bewusstsein schaffen
Der Schutz des Klimas ist in aller Munde. Jede Zeitung, jede Nachrichtensendung hat täglich Informationen und Tipps parat. Jeden Freitag gehen tausende Schüler*innen auf die Straße, um uns wach zu rütteln. Wir wissen, dass sich etwas ändern muss. Und doch: Irgendwie passiert nichts.
Es scheint, je mehr über Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Energiewende geredet wird, desto weniger interessieren wir uns dafür. Dabei geht es um den einzigen Planeten, den wir haben. Denn bis die Mars-Besiedelung anfangen kann, wird das Eis hier sehr dünn werden. Was also tun?
Zum Einen wollen wir Menschen nicht bevormundet werden. Es braucht also Vorbilder: Menschen, die den Arsch hoch kriegen und uns zeigen, wie dieses ganze Erde-Schützen geht. Dabei darf es keinen erhobenen Zeigefinger geben, sonst schalten wir schnell wieder ab. Ein gutes Beispiel wäre hier die Bloggerin Bell Knopf, die mühelos nach und nach ihren Alltag vom Müll befreit und eine Leichtigkeit an den Tag legt, die ansteckt. Eine andere Bloggerin, Gittemary, lebt gänzlich Zero Waste und vegan und zeigt allen Interessierten, wie das sogar mit Death Metal zu vereinen ist. Oder Shia Su von Wastelandrebel, die mittlerweile ein gern gesehener Gast in Radiosendungen ist und mit viel Ideenreichtum Lust auf ein minimaleres Leben macht.
Doch wie erreicht man die Menschen, die sich nicht auf gewissen Social Media Kanälen rumtreiben oder bestimmte Radiostationen einschalten? Wie erreicht man diejenigen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht mit den nachhaltigen Themen auseinandersetzen? Für viele ist Müllvermeidung und der Kauf von Bio-Produkten einfach nicht umsetzbar.
Eine Möglichkeit wären selbstverständlich Verbote. Aber wer will sich schon vorschreiben lassen, was gegessen werden darf? Die Politik muss es Konsumierenden leichter machen, ökologischer zu leben. Obst und Gemüse braucht keine Verpackung, schon gar kein Plastik. Hier müssten klare Richtlinien aufgesetzt werden, um Betriebe dazu zu bekommen, auf schonendere Verpackungen umzusteigen. Ebenso ist es kontraproduktiv, wenn Fleisch weniger kostet als ein Kilo Äpfel. Steuern auf Fleisch und Plastik wären eine Maßnahme. Dann futtern es aber die Besserverdienenden – die, die es sich auch leisten können, mit dem SUV zur Biokette zu fahren.
Verantwortung muss Allen schmackhaft gemacht und Verzicht darf nicht als etwas Negatives wahrgenommen werden. Denn Menschen fühlen sich schon benachteiligt, bloß weil sie im Dezember keine Erdbeeren kriegen.
Der Ruf nach einem ÖPNV, der flächendeckend kostenlos ist, wird ebenfalls immer lauter. Wer es aber gewohnt ist, alles mit dem Auto zu erledigen, steigt nicht einfach auf den Bus um, wenn dieser überfüllt und überhitzt im Stau steht. Oder erst gar nicht fährt, weil man auf dem Land lebt. Hier muss mehr getan werden, als Diesel-Fahrer*innen das Auto weg zu nehmen. Solidaritäts-Tickets wie an den Universitäten könnten Abhilfe schaffen, ein Ausbau der Bus-Strecken ebenfalls, barrierefreie Fahrzeuge sowieso.
Die bewussten Konsument*innen müssen mehr Druck auf die Politik ausüben, mehr vorleben und sich an die eigene Nasenspitze fassen. Denn darauf warten, dass die Schüler*innen von heute alt genug sind, um die Entscheidungen zu treffen, können wir nicht.
Autorin
AVA WEIS