Kino an einem Sommertag

Thomas Vinterbergs „Der Rausch“ als Teil eines rauschhaften Kinowochenendes, Foto: Weltkino

Kino an einem Sommertag

Kölner Kino Nächte feiern die Rückkehr des Kinofilms

Im Sommer 2020 hatten die Kölner Kino Nächte großes Glück. Gerade rechtzeitig wurde der erste Lockdown beendet, um das gemeinsame Event der Kölner Film- und Kinoszene zwar unter eingeschränkten Bedingungen, aber immerhin real in der Stadt durchführen zu können. Das Fest der Kölner Kinos, Filminitiativen, Filmfestivals, Verleiher, Kultureinrichtungen und Hochschulen zeigte wieder ein gemeinsames, breitgefächertes Filmprogramm aus Previews und Premieren mit Gästen, Filmklassikern und Filmreihen, Kinderfilmen und Kurzfilmprogrammen und nutzte so zum 12. Mal die etwas schwierigere Zeit im Sommer, um an drei Tagen für ein sehr erschwingliches Festivalticket die Qualitäten des Kinos mit der geballten Kraft der Kölner Filmszene seinem Publikum zu präsentieren. Einem Publikum, das sich in diesem Sommer sicher noch mehr als sonst über ein solch buntes Angebot freuen dürfte. Denn bei allem Respekt vor hochsommerlichen Temperaturen: Die angestaute Sehnsucht der letzten Monate nach Kino werden viele Kinofans sicher auch bei den Kölner Kino Nächten stillen wollen.

Nicht wenige Filmfestivals mussten im letzten oder diesem Jahr einmal aussetzten oder ihr Programm in den digitalen Raum verlegen, manche von ihnen wurden gleich zweimal hintereinander ausgebremst. Unter welchen Rahmenbedingungen Veranstaltungen in diesem Sommer möglich sind, lässt sich nicht sagen – noch immer ändern sich die Corona-Regeln für Veranstaltungen wöchentlich. Glück haben die Kino Nächte indes schon mal, da sie auch 2021 wieder vor Ort etliche Highlights und Filmperlen präsentieren können. Über zwanzig Filme sind bei den 13. Kölner Kino Nächten am Wochenende vom 8. bis zum 11. Juli an acht Spielorten – Filmforum, Filmpalette, Filmpalast, Odeon, Cinenova-Open Air, MAKK Open Air, Odonien Open Air und Alte Feuerwache Open Air – zu sehen.

Zum Auftakt präsentiert das Festival Tüpisch Türkisch bei freiem Eintritt „40 Quadratmeter Deutschland“, einen Klassiker des türkisch-deutschen Kinos aus Deutschland aus dem Jahr 1986 von Tevfik Başer. Ein kleiner Musikschwerpunkt hat sich in diesem Jahr herausgebildet, vor allem zum Thema Jazz. Mit der Doku „Billie – Legende des Jazz“, die als Preview gezeigt wird, und dem Drama „The United States vs. Billie Holiday“ widmen sich gleich zwei Filme der legendären Blues- und Jazzsängerin. Bereits am Vortag ist der experimentelle, stylische Dokumentarfilm „Jazz on a Summer‘s Day“ vom Newport Jazz Festival aus dem Jahr 1958 zu sehen. Auch zu sehen ist die Musikdoku „Haldern Pop“, eine Art „Full Metal Village“ über das niederrheinische Indie-Pop-Festival. ‚Vergleichende Filmwissenschaften‘ kann man am Samstag auch in einem Double Feature betreiben, das hintereinander „Viktor & Victoria“ (1933) und das Remake „Viktor/Viktoria“ (1982) präsentiert. Daneben sind zahlreiche aktuelle Filme als Preview und/oder mit Gästen zu sehen, darunter Thomas Vinterbergs „Der Rausch“, der diesjährige Gewinner des sogenannten Auslands-Oscars. Eine Führung am Sonntagvormittag zur Kinogeschichte Kölns bietet einen etwas anderen Blick auf die Stadt. Als Abschlussfilm wird die Premiere des Dokumentarfilms „Der Atem des Meeres“ über das Wattenmeer gezeigt. Endless Summer auf norddeutsch…

13. Kölner Kino Nächte | 8. – 11.7. | diverse Orte | www.koelner-kino-naechte.de

Autor

CHRISTIAN MEYER-PRÖPSTL

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