Kino als Ort der Debatte

„Pause“ von Tonia Mishiali läuft im Debütfilm-Wettbewerb, Foto: Olymp Film

Kino als Ort der Debatte

37. Internationales Frauenfilmfestival

Im letzten Jahr hat nach 20 Jahren die Filmkuratorin und Dozentin Maxa Zoller die Festivalleitung des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund/Köln von ihrer Vorgängerin Silke Räbiger übernommen. Das inzwischen größte deutsche Frauenfilmfestival findet alternierend in Dortmund und Köln statt. Während im vergangenen Jahr das Festival unter dem Titel „Bilderfallen – Täuschung, Tarnung, Maskerade“ in Dortmund über Filmbilder reflektierte, ist vom 24. bis zum 29. März Köln wieder als Austragungsort an der Reihe – in Dortmund ist ein Auswahlprogramm zu sehen.

In diesem Jahr liegt der Fokus auf dem Thema „Nach der Wende 1990/2020“. Damit sollen bislang eher marginalisierte Erfahrungen von ostdeutschen Filmemacherinnen thematisiert werden. Der Debüt-Spielfilmwettbewerb schickt internationale Produktionen aus Australien, Brasilien, Kasachstan, Marokko, Taiwan oder Zypern ins Rennen. Einen Blick auf unsere Gegenwart, aber auch eine mögliche Zukunft werfen die Filme der Sektion „Panorama“. Die hier gezeigten Dokumentarfilme widmen sich sozialen und kulturellen Themen, zum Teil autobiografisch erzählt. Queere Themen verhandelt die Sektion „begehrt! – filmlust queer“. Hier werden neben Dokumentarfilmen auch Spielfilme gezeigt, die sich mit der Tabuisierung nicht-binärer Körper oder nicht-pornografischen Bildern von Sex auseinander setzen.

Im Auswahlprogramm in der Dortmunder Schauburg sind fünf Filme aus den unterschiedlichen Sektionen des in Köln ausgetragenen Festivals gezeigt. Aus dem Debüt-Spielfilmwettbewerb wird „Pause“ von Tonia Mishiali gezeigt. Der Film erzählt von einer Frau, die aus der Routine ausbricht, mit der sie jahrelang eine lieblose Beziehung und ihre frauenfeindliche Umwelt ertragen hat (28.3. 18 Uhr). Friederike Güssefelds Dokumentarfilm „Out of Place“ porträtiert als „nicht integrierbar“ eingestufte Teenager, die ihre Jugend auf den Höfen rumänischer Bauernfamilien verbringen (27.3. 20.15 Uhr). Aus dem Festival-Fokus wird der Dokumentarfilm „Gundermann Revier“ gezeigt – ein Porträt des legendären Sängers und Braunkohle-Baggerfahrers Gerhard Gundermann, der zuletzt durch Andreas Dresens Film „Gundermann“ in Erinnerung gerufen wurde (28.3. 20.30 Uhr). In derselben Sektion läuft „Im Stillen Laut“ von Therese Koppe, die die Geschichte einer Liebe dokumentiert, die DDR, Mauerfall und Wende überdauert hat (26.3. 20.15 Uhr). Der Naturdokumentarfilm „The last Male on Earth“ porträtiert den letzten lebenden Breitmaulnashorn-Bullen (29.3. 15 Uhr). Der Jugendfilm schlägt eine Brücke zu dem ambitionierten IFFF-Programm für Schulen, das in Köln, aber auch komplett in Dortmund im innogy Forum im Kino im U zu sehen sein wird. Das Kino soll als Ort der Debatte und ästhetischen Erfahrung anhand von Themen wie Computersucht, Anderssein, Probleme in der Pubertät, Menschenrechte oder dem Umgang mit Stigmatisierung und Ausgrenzung entdeckt und erlebt werden.

Internationales Frauenfilmfestival Dortmund | Köln | 24.3.-29.3. in Köln, Auswahlprogramm in der Schauburg Dortmund und im Innogy Forum | Kino im U | www.frauenfilmfestival.eu | Anmeldung zum Schulfilmprogramm: 0231 502 48 41; roelleke@frauenfilmfestival.eu

Autor

Christian Meyer-Pröpstl

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