Wuppertaler Wald

Großstadtdschungel, Foto: Philipp Stiller

Wuppertaler Wald

Seine großen Waldgebiete überraschen nicht nur Gäste

Wer sich länger einmal mit unserem Tal auseinandergesetzt hat, als nur über die B7 oder den Bahnhof einzureisen und ob wenig verlockender Eindrücke schnell wieder das Weite zu suchen, der weiß, was für viele Liebhaber der Stadt ein Mantra ist: Wuppertal hat auch schöne Ecken. Und Wuppertal hat vor allem viele grüne Ecken. Gerade der Süden ist bekannt dafür, dass hier die typischen Wiesen- und Waldlandschaften des Bergischen Landes warten. Innerhalb weniger Minuten kann jemand, der kurz zuvor noch am befahrenen Robert-Daum-Platz oder am menschenüberfluteten Alten Markt stand, die freie Natur unter Ästen und Blättern genießen.

Immer wieder wird statistisch belegt, dass die Stadt an der Wupper zu den grünsten Großstädten Deutschlands zählt. Zuletzt hatte die Berliner Morgenpost Satellitenbilder ausgewertet. Wuppertal rangiert unter den 79 Großstädten mit 77,5 Prozent Vegetationsfläche auf Platz 25, weit vor Düsseldorf, Frankfurt, Essen, Dresden, Hamburg oder Bonn. 2013 erregte ein Ranking der TV-Zeitschrift Hörzu großes Aufsehen über das Tal hinaus, als Wuppertal zur „grünsten Stadt Deutschlands“ erklärt wurde. Grundlage waren Daten des Statistischen Bundesamtes, nach denen 34,06 Prozent der Stadtfläche begrünt seien.

Die Redaktion der in Hamburg beheimateten Zeitschrift staunte: „Wer hätte gedacht, dass etwa in Wuppertal ein Drittel der Stadtfläche von Parks und Wäldern bedeckt ist? Dazu kommen 35 Quadratkilometer landwirtschaftlich genutzte Wiesen und Äcker und rund 8000 Kleingärten.“ Und kam zu dem Schluss: „Ein grünes Netz durchzieht die Industriestadt an der Wupper. Riesige Parks mögen fehlen, dafür prägen aber bewaldete Berghänge, blühende Höhen und idyllische Landschaftsgärten das Bild. Verschönerungsvereine sicherten seit dem 19. Jahrhundert unbebaute Flächen für Grünanlagen wie etwa den Parkwald Friedrichsberg. Und wo sonst gibt es noch 35 Quadratkilometer Landwirtschaft mitten in der Stadt?“

Nach Informationen der Stadtverwaltung liegen 4850 Hektar Wald innerhalb des Wuppertaler Stadtgebietes, was 29 Prozent der Gesamtfläche ausmacht. Allein durch die Wälder ist man auf 250 Kilometern Wanderwegen unterwegs, wenn man das möchte. Der Förderverein Historische Parkanlagen Wuppertal e.V. hat sie katalogisiert, die Parks, Gärten und großen Forstgebiete im Tal. Dazu zählen die bekannten Plätze wie das 57 Hektar große Gartendenkmal zwischen Elberfeld und Barmen, die Hardt. Und die Barmer Anlagen, die 100 Hektar groß sind und vom Barmer Verschönerungsverein betrieben werden – laut Angaben des Vereins der zweitgrößte private Erholungspark Deutschlands. Oder das Arboretum Burgholz, eingebettet zwischen Vohwinkel, Küllenhahn und Cronenberg, das 250 Hektar groß ist, und in dem sogar Riesenmammutbäume wachsen. Über das Waldpädagogische Zentrum Burgholz (WPZ) kann man über das Jahr an zahlreichen Führungen durch den Forst teilnehmen.

Der Grundbesitz splittet sich ganz schön auf: Die Hälfte der Waldflächen, rund 2200 Hektar, sind laut der Verwaltung im Besitz von mehr als 1000 Privatleuten. 1700 gehören der Stadt, 950 dem Land Nordrhein-Westfalen. Viele Menschen im Tal schätzen es offensichtlich, als Landherren zum Wuppertaler Grün beizutragen. Verwaltungstechnisch und forstpolitisch ist das aber nicht immer einzeln zu händeln und deshalb gibt es seit fast genau 45 Jahren die Forstbetriebsgemeinschaft Wuppertal (FBG) – übrigens die erste ihrer Art, die im Bundesland gegründet wurde. Mehr als 1000 Hektar Wald in Privatbesitz fließen in der FBG zusammen. Ziel der Gemeinschaft ist es, eine Linie in der Forstpolitik zu haben, damit alle Wuppertaler vom Wald profitieren. Denn zu Privatbesitz hätten sie normalerweise eigentlich keinen Zugang. Die FBG berät, versichert gegen Waldbrand, kauft Pflanzen ein, forstet auf, pflegt den Bestand, erntet und vermarktet das Holz, legt Wege an und sorgt generell für den Schutz des Waldes. Die Arbeit der Forstbetriebsgemeinschaft wurde und wird von Experten als landesweite Pionierarbeit beschrieben.

3900 Tierarten – darunter geschützte wie der Eisvogel, die Wasseramsel, der Baumfalke oder der Rotmilan –  tummeln sich in den Wuppertaler Wäldern, die zwar nicht mehr zu den „unberührten Urwäldern“ zählen, weil sie dafür zu jung sind. Aber die Stadtmenschen nutzen sie dennoch reichlich, um sich zu entspannen und frische Waldluft zu atmen – und das zumindest auf direktem Wege umsonst. „Jedermann hat ein unentgeltliches Betretungsrecht für alle Wälder, doch die Unterhaltungskosten für die vielen Erholungs-Einrichtungen in den Wuppertaler Wäldern werden über Steuern finanziert. Eine ‚Jahreskarte‘ für die Wuppertaler Wälder würde  etwa 5 Euro für jeden kosten“, rechnet die Verwaltung vor.

Autor

Florian Schmitz

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