Immer Keramik oder Weberei

Margarete Heymann-Loebenstein, Teile eines Mokkaservice, Entwurf vor 1926, Ausführung Hael-Werkstätten, Marwitz, um 1930, MAKK, Foto: Jan Rothstein

Immer Keramik oder Weberei

Frauen am Bauhaus – Ausstellungen in Köln und Bonn

100 Jahre Bauhaus. Ein Jahrhundert voller Formfindung, wobei die Funktion immer die Form einfordert und analysiert, die Moderne drang in die Architektur. Überall werden in diesem Jahr die Lagerfeuer angezündet, die Legenden der Meister erzählt, vom Leben und Überleben in schweren Zeiten, aber auch vom Anfang des futuristischen Designs als Einkommensquelle. Worüber nur selten gesprochen wird, ist die fast komplette Abwesenheit von Frauen in diesem Kontext. Nur hier und da werden sie überhaupt wahrgenommen. Das MAKK in Köln zeigt beispielsweise das Werk der avantgardistischen Keramikkünstlerin Margarete Heymann-Loebenstein sowie der Bildhauerin und Bühnenbildnerin Marianne Ahlfeld-Heymann, die beiden sind Cousinen, haben sich aber wohl unabhängig voneinander an den Werkstätten angemeldet. Der Titel „2 von 14“ zeigt, dass es nicht nur die beiden aus Köln in den illustren Männerkreis geschafft haben, sondern ein paar mehr, dessen Wirken nicht so oft öffentlich thematisiert wurden.

Margarete Heymann-Loebenstein wurde mit ihrer Gebrauchskeramik berühmt und erfolgreich, obwohl sie ihre Werkstatt bei Berlin wegen ihrer jüdischen Abstammung verlor, später in England die Arbeit aber wieder weiterführen konnte. Auffallend sind die avantgardistischen, reduzierten Formen ihrer Keramik wie den berühmten Scheibenhenkel-Services (jedes Stück ein Unikat!) mit dem Teeservice, das komplett aus geometrischen Grundformen gestaltet war. Cousine Marianne schuf nach ihrer Bauhaus-Zeit Handpuppen und Marionetten für freie Produktionen, bevor sie als Bühnenbildnerin am Mannheimer Nationaltheater und zeitgleich an der Kölner Oper arbeitete. Auch sie musste vor den braunen Horden nach Paris fliehen, emigrierte nach dem Krieg nach Israel.

Auch im Bonner Frauenmuseum wird die weibliche Seite des Bauhauses beleuchtet, denn revolutionär waren die Werkstätten (und das Neue Bauen) schon, weil Frauen dort überhaupt ihre eigenen kreativen Visionen – natürlich gegen viele Widerstände – umsetzen konnten. Aber es soll nicht vergessen werden: Architektinnen konnten Frauen am Bauhaus nicht werden. Frauen wurden Innenarchitektinnen. Die Ausstellung „*Innen Räume 1919-2019“ erzählt so vom Bauhaus Design der frühen Jahre bis zu den Architektinnen von heute.

2 von 14 | bis 11.8. | Museum für Angewandte Kunst Köln | 0221 22 12 67 14

*Innen Räume 1919-2019 | bis 22.11. | Frauenmuseum Bonn | 0228 69 13 44

Autor

PETER ORTMANN

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