Heterogene Heroen

John Scofield und Dave Holland, Foto: Nicholas Suttle

Heterogene Heroen

John Scofield und Dave Holland in der Philharmonie Essen

Zwei Legenden der Jazzmusik, die noch mit beiden Beinen in der aktuellen Szene stehen und nicht als Überbleibsel alter Tage gehandelt werden, reisen seit einiger Zeit auch mal gemeinsam über den Globus. Sie schalten sich auch gern in zeitgenössische Projekte junger Musiker ein und setzen dabei doch ihre eigene Note. Im letzten Jahr mussten sie pandemisch bedingt ihre geplante Tournee im Pas de deux absagen, jetzt scheint es aber zu funktionieren. Im November streifen die beiden eigentlich heterogenen Heroen die Philharmonie Essen.

John Scofield verbarg auf seinem Trip durch die wechselnden Genres im Jazz nie seine Roots im Rock und Blues. Vielmehr reizte seine damals prominenteren Kollegen wohl die frische Brise und die eigentümliche Tonsprache, die seine Visitenkarte prägte. Seine Instrumente klangen nie wirklich nach klassischer Jazzgitarre, sein Sound blieb stets stabil, ob bei Gary Burton oder im Funkgroove von Billy Cobham.

Drei Jahre lang experimentierte er in der Band von Miles Davis – der Ritterschlag für so viele Musiker, die noch heute mit dem Nimbus der Miles-Groups hausieren können. Wie ungewöhnlich die Sound-Vorstellungen des amerikanischen Gitarristen ausfallen können, bewies er mit seinem Projekt „Quiet“, einer Aufnahme mit einem Ensemble aus tiefen Holzbläsern, in dem Scofield eine beseelte Klangreise beschrieb, die vielen jungen Musikern auch heute noch ein Staunen abringen kann.

Statt tiefer Holzbläser geraten aktuell nur vier dicke Saiten ins Schwingen, und manchmal sogar ins Swingen. Denn Dave Holland, ein piekfeiner Gentleman, der erst kürzlich als Ehrenmitglied in die „Royal Academy of Music“ seiner Heimat Old England aufgenommen wurde, hat als Senior im Duett stilistisch sehr wilde Zeiten abgeschritten, Hunderte von Aufnahmen bei Kollegen und mehr als dreißig eigene Alben eingespielt. Wer ihn schon einmal in einem einstündigen Solo-Konzert erleben durfte, der weiß, dass Hollands Vielseitigkeit und seine technische Überlegenheit einzigartig sind.

Im Dialog dieser Eigenbrödler tupft Scofield, der meist Harmonie und Melodie verwaltet, mit einer melodischen Phrase seinen Partner an. Der folgt umgehend dem neuen Impuls, schaltet auf Walking Bass um, erhöht das Tempo – ein Geben und Nehmen mit faszinierenden Ergebnissen.

John Scofield & Dave Holland | 5.11. 20 Uhr | Philharmonie Essen | 0201 812 22 00

Autor

OLAF WEIDEN

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