Groove mit „Haffner Touch“

Gentleman am Schlagwerk: Wolfgang Haffner, Foto: Act-Music

Groove mit „Haffner Touch“

Deutschlands berühmtester Jazz-Schlagzeuger besucht Hilden

Zum Höhepunkt seiner Live-Konzerte geht der Schlagzeuger Wolfgang Haffner auch mal gern ganz nach vorne an den Bühnenrand. Er bringt seine kleine Trommel mit, die Snare, das Herzstück eines Drumsets, oder er betrommelt gleich seinen eigenen Hocker: Weniger ist manchmal mehr, das kann man dabei denken, und eine originelle Einlage wirkt oft besser als das größte Drum-Gewitter mit zwei Fußmaschinen.

Wenn Haffner jetzt in Hilden aufschlägt, kommt er vom Festival Jazz Baltica und reist gleich weiter nach Tokyo. Einst kannte die deutsche Jazzwelt ihn als Drummer von Klaus Doldingers Band „Passport“. 400 Alben mit den Jazz-Größen und den deutschen Pop-Heroen später gilt er meist als Protagonist zahlreicher Projekte. Sein letztes Werk beschäftigte sich mit Flamenco und spanischer Folklore, ein reizvoll filigranes Spektakel für den Rhythmiker, das er mit einer akustischen Band einspielte.

Es ist kein Wunder, dass der kreative Künstlerische Leiter der Hildener Jazztage selbst ein gelernter Drummer ist. So nennt Peter Baumgärtner den diesjährigen Jazzmarathon „Groovin‘ High“: Er zitiert den Titel eines stets überhitzt wirkenden Bebop-Klassikers aus dem in die Höhe ragenden Trompetentrichter Dizzy Gillespies, eine Nummer, die einem wiederholten Kuckucks-Ruf wilde Bebop-typische Achtelkaskaden folgen lässt. Dazu zischen die Becken. Und dazu zischte auch gern Charlie Parker.

In Hilden, und das ist ein Alleinstellungsmerkmal des Festivals, garantiert der Macher, dass seine geladenen Gäste aus Südamerika, Afrika oder Deutschland alle eines beherzigen: Sie grooven! Das gilt selbst für das erste experimentelle Stimmkollektiv „Vokalorchester NRW“, dessen Mitglieder ihr Ensemble selbst so beschreiben: „Es singt, es summt, es scattet, aber es brüllt und schnauft, tönt, atmet und – grooved auch!“ Big Band ohne Bigband, Elektropop ohne Strom, nur Stimme und Seele klingen in der Reformationskirche in Hilden.

Am Abschlusstag tritt am Nachmittag die junge Gruppe Red auf, die ganz schwungvollen Jazz präsentiert im traditionellen Gewand eines Hardbop-Quartetts: Trompeterin Ellister van der Molen und Saxofonist Gideon Tazelaar begeistern als Front-Paar, begleitet von Orgel und Schlagzeug. Das klingt wie die ideale Rezeptur für einen kurzweiligen Besuch an einem Sonntag.

24. Internationale Hildener Jazztage | 18. – 23.6. | www.hildener-jazztage.de

Autor

OLAF WEIDEN

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