Geschichten am Lagerfeuer

20.000 Meilen unter dem Meer, Foto: Rene Achenbach

Geschichten am Lagerfeuer

Das Freiluftfestival im Friedenspark

Zu einer Zeit, da sich die Donnerbalken unter dem mächtigen Gewicht des deutschen Ober-Reformators bogen, hatte der Teufel nichts zu lachen. Luther, zwangsweise Dauergast auf den Abortgruben des Mittelalters, führte gerade dort gern Zwiesprache mit dem Unterweltsfürsten, der ihm sicher an üblem Geruch und rhetorischer Redegewandtheit nicht nachstand. Das N.N. Theater visualisiert die Auseinandersetzung in „Luther – Ich fürchte Nichts“ als Gute-Nacht-Geschichte am Lagerfeuer in der Freilichtbühne im Kölner Friedenspark. Freiluftfestival nennt sich die Woche voller magischer Theaterabende, die sich im Biergarten bei Speis und Trank lange hinziehen können. Luther hätte da sicher seinen Spaß gehabt. Kostverächter waren die Protestanten ja nie, warum sollte sich das im katholischen Rheinland ändern.

Auch in seiner neuesten Produktion des NN Theaters geht es um gehopfte Getränke. Das Märchen „Das kalte Herz“ ist das Kernstück in Wilhelm Hauffs Almanach „Das Wirtshaus im Spessart“, der es in den Nachkriegsjahren ja bekanntlich auch in die Lichtspielhäuser schaffte. Es geht auch hier um dunkle Mächte, archetypische mythische Figuren in Wald und Fels und um die Gier nach Besitz, Macht und Frauen. Also alles so wie heute, wo sich wieder einmal Hass, Ausgrenzung und gefährlicher Populismus ausbreitet und die Dumpfbacken auf dem Vormarsch sind. Das Kölner Ensemble hofft, dass das Märchen uns vielleicht einen überraschenden Weg aufzeigen kann. Hoffen wir, dass der nicht nur mit magischen Mitteln beschritten werden kann, denn sonst fällt die schöne Analogie ins Wasser.

Dort fragt sich auch ein gewisser Kapitän Nemo, ob die Welt noch zu retten sei. Der erste Öko unter Wasser kämpft bekanntlich nicht nur mit seinem CO2-neutralen U-Boot Nautilus gegen böse Widersacher, gefräßige Haifische und monströse Kraken, nein, in letzter Zeit bleibt das Schiffchen immer öfter in treibenden Wolken aus Plastiktüten hängen – auch ein gelbes U-Boot soll schon verloren gegangen sein. Wie kann man das beenden? Das N.N. Theater versucht es mit einer Melange aus Jules Verne und Shakespeare. „Der Sturm“ wurde Inspiration für ein maritimes Abenteuerspektakel und apokalyptisches Ökomärchen. Danach kein Bier, etwa nur noch Biosaftgetränke? Prost.

N.N. Theater Freiluftfestival | 18. – 23.7. | Kölner Friedenspark | www.nntheater.de

Autor

PETER ORTMANN

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