Frischer Wind

Anton Lachky Company mit „The Others“, Foto: R. Vennekens (Ausschnitt)

Frischer Wind

Sommerakademie der TanzFaktur in Köln

Den Deutschen sagt man nach, sie seien Frischluft-Fanatiker. In den Zeiten der Pandemie hat diese ehemals belächelte Marotte nachträgliche ihre Legitimierung erfahren. So standen etwa die Besucher der Tanzfaktur in der Vergangenheit bei Wind und Wetter angeregt diskutierend auf dem Werksgelände an der Siegburger Straße. In diesem Frühjahr richtete die Faktur eine überdachte Lounge im Graben vor dem Gebäude mit rustikalen Palettenmöbeln ein. Nur mag die noch niemand benutzen, lieber stehen die Tanzfans gesellig auf dem zugigen Hof. Ein Kuriosum. Gleichwohl entwickelt sich die Faktur immer mehr zum Tanzhaus, zumal nun mit dem Ausbau der Werkshalle die nächste bauliche Aufrüstung ansteht. Geschäftsführer Slava Gepner bereitet der Kölner Tanzszene aber auch in anderer Weise frischen Wind. Seit sieben Jahren bringt er mit der Wiederbelebung der legendären Kölner Sommerakademie des Tanzes Kompanien aus Polen, Tschechien, Israel, Belgien, Frankreich, Spanien oder zuletzt Schweden an den Rhein. Ein Gastspielprogramm, das fremde Ästhetiken zeigt und eine Vorstellung von dem gibt, was sich jenseits des eigenen Horizonts ereignet.

„Die Auswirkungen der Pandemie sind noch deutlich spürbar“, berichtet Slava Gepner und damit sind nicht nur finanzielle Engpässe gemeint. Werden die Künstler in der Zeit vom 11. bis 23. Juli anreisen können? Zumal es diesmal ukrainische Gäste geben soll. Aber darüber kann nur kurzfristig entschieden werden. Aus Israel kommt Annabelle Dvir mit „7 Inch of Slam – The Full Body Soundscape“, einer spektakulären Produktion die physisch an Grenzen geht, indem sie das vertrackte Doppelgesicht von Gewalt und Zärtlichkeit erkundet. Sieben Frauen erproben die Geräusche, die ihre Körper beim Sturz auf den Boden verursachen.

„Die Hölle, das sind die anderen“, meinte Jean Paul Sartre und die belgische Anton Lachky Company nimmt ihn in ihrer Produktion „The Others“ beim Wort. Zugleich demonstriert das Stück anhand von vier Personen die Frage, wie wollen wir in Zukunft miteinander umgehen? Das Pendant zum Ernst der Belgier bildet der Humor der Ungarn. Zehn Männer und Frauen füllen die Bühne mit ihrem Stück „Ramazuri“. Einer „Nussknackersuite“ im modernen Gewand, die mit fulminanter Zirkus-Akrobatik und Live-Musik auftrumpft.

Sommerakademie – Contemporary Dance Festival | 11.-23.7. | TanzFaktur | 0221 22 20 05 83

Autor

THOMAS LINDEN

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