Erektion ohne Emotion

Jürgen Becker Foto: Simin Kianmehr

Erektion ohne Emotion

Wie soll das gehen? Fragt Jürgen Becker sich und uns

Raubmilben haben Sex, indem das Männchen dem Weibchen ins Bein beißt. Das hat Jürgen Becker herausbekommen und in sein neues Programm „Volksbegehren“ integriert. Wobei das nur eine von zahllosen Erkenntnissen ist, mit dem der Kölner Kabarettist sein Publikum prächtig amüsiert – und weiterbildet. Denn schlauer werden die meisten seiner Zuschauer, die eine der zahlreichen, unten aufgeführten Veranstaltungsorte (Beginn: je 20 Uhr) in der Kölner Region verlassen. Schließlich machen wir uns alle so unsere Gedanken über den Daseinszweck – und unser Erbe. Auch damit hat sich Becker nämlich beschäftigt und herausgefunden, dass in Köln Grabstätten teurer sind als Wohnungen im Emsland. Da wird sich wohl mancher für Letztere entscheiden.

Unterschiedliche geschlechtliche Vermehrungsstrategien von Männchen und Weibchen bilden die Grundlage für unterschiedliche Herangehensweisen: Männer wollen immer – Frauen können immer, setzt Becker jedenfalls voraus. Für den marokkanischen Sultan Mulai Ismail (1645-1727), der 888 Kinder gezeugt haben soll, dürfte das kein Problem gewesen sein, obwohl sich Männer meist maßlos überschätzen, wie Becker konstatiert. Sex sei „der Blick in die Unendlichkeit und in den Sinn der Schöpfung“, gibt er weiter zu bedenken. Keine Frage, die Vermehrung der Menschheit spielt dabei eine große Rolle. Ebenso der unabweisliche Zusammenhang von Erotik und Tod. Wobei Becker davon träumt „Erotikon“ von Jorgi Jatromanolakis als eine Art Rettungsschirm weltweit auf die Bestsellerliste setzen zu lassen. Dann käme „Griechenlands Wirtschaft auch wieder in Wallung“. Ein schöner Gedanke. Youporn sei gegen den griechischen Götterhimmel eine züchtige Angelegenheit.

Menschen wollten immer wissen, warum, wieso und weshalb etwas so und nicht anders sei. Ich jedenfalls wüsste gerne, was aus Jesus‘ Geschwistern, die in der Bibel erwähnt würden, geworden ist. Befand man sie einer Kreuzigung nicht für würdig? Haben Maria und Josef sie aus Angst vor der Schande versteckt oder haben sie sich von alleine aus dem Staub gemacht? Hatte Jesus keine Tante beziehungsweise hatten seine Eltern keine Geschwister? Wenn ja, warum nicht?

Das theologische Fundament der Verteufelung von Sexualität habe Augustinus gelegt, der seiner Mama zuliebe Frau und Kind verlassen und sich daraufhin eine besonders rigide Sexualmoral ausgedacht habe, die bis heute in christlich-orientierten Köpfen herum spuke: ein von fleischlichen Begierden losgelöster Geschlechtsakt. Oder wie Becker es formuliert: Erektion ohne Emotion. Wie soll das gehen? Fragt sich die Ihnen stets ergebene

3.5. Mechernich: Gymnasium am Turmhof | 02443 40 31 | 4.5. Bedburg: Schloss | 02431 17 18 | 5.5. Bonn: Pantheon | ausverkauft | 18.5. Köln: Bürgerzentrum Ehrenfeld | ausverkauft | 19.5. Erftstadt: Evangelische Kirche Lechenich Volksbegehren | 02235 68 03 59 | 30.5. Hennef: Kur-Theater | ausverkauft | 31.5. Eschweiler: Talbahnhof | 02403 223 11 | 12.-14.6. Köln: Senftöpfchen | 0221 258 10 58

Autorin

ANNE NÜME

Dieser Artikel erschien auf www.choices.de, lesen Sie weitere Artikel auf www.choices.de/komikzentrum

0