„Enorme Einbußen“

Schauspiel Köln, Foto: Ana Lukenda

„Enorme Einbußen“

Theater in Zeiten des Corona-Virus

„Aber in Wahrheit konnte man zu dieser Zeit, Mitte August, sagen, dass die Pest alles überschwemmt hatte“, heißt es in Albert Camus‘ berühmtem Roman „Die Pest“. Inzwischen ist es auch in NRW soweit. Nachdem das Virus zunächst Nachrichten und Bewusstsein überschwemmt hat, ist inzwischen das gesamte kulturelle, aber auch das soziale Leben weitgehend lahmgelegt.

Freie wie auch städtische Theater von Dortmund über Düsseldorf bis Köln haben flächendeckend den Spielbetrieb eingestellt. Anfangs hatten die Häuser noch unterschiedliche Schließungszeiten angegeben, so das Kölner Schauspiel bis 10.4., das Bochumer Prinz-Regent-Theater dagegen bis 19.4. Inwieweit das auf unterschiedlichen Infektionsrisiken in den jeweiligen Städten beruhte, sei mal dahingestellt. Es zeigt allerdings, wie unterschiedlich man die Lage einschätzte und wie groß die Hoffnung jeweils war. Inzwischen sind alle Häuser auf den 19.4. eingeschwenkt.

Auch wenn die Vorstellungen ausfallen: „Der Betrieb arbeitet weiter“, sagte Alexander Kalouti, Pressesprecher des Theater Dortmund vor Redaktionsschluss. Proben finden also statt. Man denke man sogar über Streamingangebote nach. Am 15.4. möchte man in Dortmund wieder spielen, doch sicher sei derzeit nichts. „Das ist ein Fahren auf Sicht“, so Kalouti.

Auch am Kölner Schauspiel geht es nur hinter der Bühne weiter: „Wir probieren bis zum Premierentermin und legen die Produktion dann auf Eis“, sagt Intendant Stefan Bachmann, der auch in Zeiten der Krise „eine Form der Normalität aufrecht erhalten“ möchte. Zu den finanziellen Folgen wagt er keine Prognose: „Fakt ist, dass es zu enormen Einbußen kommen wird.“

Die fürchtet man auch am Bochumer Prinz Regent Theater. Dort hat man die Reißleine komplett gezogen: „Wir haben auch den Probenbetrieb eingestellt“, sagt Geschäftsführerin Anne Rockenfeller. Man könne die Auflage des Robert-Koch-Instituts anders nicht erfüllen. Alle Mitarbeiter wurden bis 19.4. ins Homeoffice geschickt. Anne Rockenfeller sorgt sich um die vielen freien Künstler und Aushilfen, mit denen das PRT arbeitet, und hofft auf Hilfe vom Land. In Berlin hat zumindest Kulturstaatsministerin Monika Grütters für die Kultur schon mal Flagge gezeigt: „Bei der Entscheidung über Hilfsmaßnahmen darf nicht nur die Wirtschaft mit am Tisch sitzen, da muss auch die Kultur dabei sein.“

Autor

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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