Eine Ikone des Feminismus

Sartre und de Beauvoir mit Fidel Castro, Kuba 1960 © ullstein bild - Pictures from History

Eine Ikone des Feminismus

Simone de Beauvoir-Ausstellung in der BKH Bonn

Die Bundeskunsthalle als Lesesaal skandalöser Werke ist neu. Uralt sind die patriarchalen Strukturen dieser Welt und die nur zeitlupenartige Veränderung geschlechtsspezifischer Ungerechtigkeiten. Eine, die das nach dem 2. Weltkrieg in Europa beschleunigen wollte, war die französische Philosophin und Schriftstellerin Simone de Beauvoir (1908–1986). Mit ihrem zweiteiligen Werk „Das andere Geschlecht“, sorgte sie 1949 für mächtigen Wirbel in der beherrschenden Männerwelt. Albert Camus fand seine Landsleute lächerlich gemacht, der Vatikan setzte de Beauvoirs ersten Band „Les faits et les mythes“ („Fakten und Mythen“) mal sofort auf den kirchlichen Index. Das nützte alles nichts – über 20.000 Exemplare gingen in der ersten Woche über die Buchhandelstheke, Simone de Beauvoir wurde zur Ikone der Frauenbewegung und als Vertreterin des Existenzialismus zu einer der wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts.

Die Bundeskunsthalle in Bonn widmet ihr jetzt eine Ausstellung, die sich nicht nur vordergründig mit dem berühmten Werk beschäftigt, das nicht an Relevanz verloren zu haben scheint, da die Emanzipation der Frauen global noch nicht abgeschlossen ist. Als „Bibel des Feminismus“ wurde das Buch „für viele Frauen zu einem Schlüssel für couragierte Veränderungen und dazu, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen“, so Bundeskunsthallen-Intendantin Eva Kraus. Allein die lange Geschichte der Übersetzung des Buches in fremde Sprachen ist ein spannendes Kapitel. Wie inszeniert man nun ein tausend Seiten langes Buch in einem Museum? Ganz einfach: In schlichtem Grau reflektieren die Stellwände die beiden bunten Einbände. Großformatige Schwarzweißfotos dokumentieren den besonderen Stellenwert der Schriftstellerin, die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Jean-Paul Sartre die Welt bereiste. Dazu Vitrinen mit Schriftproben und literarischen Devotionalien. Eine Wand mit stilisierter Weltkugel zeigt die zahlreichen Übersetzungen von „Le deuxième sexe“, die letzte (2011) stammt aus China. In der ehemaligen DDR wurde das Werk übrigens erst 1989 im Verlag Volk und Welt verlegt – mit Existenzialismus und Frauenbewegung hatte die senile männliche Staatsführung über die Jahrzehnte nun mal nichts am Hut.

Simone de Beauvoir und „Das andere Geschlecht“ | bis 16.10. | Bundeskunsthalle Bonn | 0228 917 12 00

Autor

Peter Ortmann

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