Ein patriarchaler Haufen zum Piepen

Sonntagsseite © Floyd Gottfredson, Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann Mannheim

Ein patriarchaler Haufen zum Piepen

„Entenhausen – Oberhausen“ in der Ludwiggalerie

Entenhausen liegt nicht in Oberhausen. Entenhausen gibt es nicht, selbst wenn Donaldisten anderes beim so genannten Donaldismusbehaupten. Sie beschäftigen sich pseudowissenschaftlich mit der fiktiven Familie Duck in der fiktiven Stadt Entenhausen. Doch Gruppendynamik oder Soziologie haben meine Walt Disney Lieblingshelden Daniel Düsentrieb und Gundel Gaukeleynie interessiert. Die Hexe Gundel wurde bereits 1961 von Carl Barks als Gegenspielerin von Dagobert Duck entworfen und gaukelt seitdem sporadisch durchs Entenhausener Comic Universum, das in den USA 1984 erstaunlicherweise beendet wurde. Die Ausstellung in der Oberhausener Ludwiggalerie stellt nun neben Carl Barks zwei weitere Altmeister vor: „The Mouse Man“Floyd Gottfredson und Al Taliaferro, den Zeichner der täglichen Zeitungsstrips und einst auch Geburtshelfer der Neffen Tick, Trick und Track.

Ja klar, „Donald, Micky and friends“, wie könnte es anders sein. Patriarchale Strukturen in Entenhausen, vonGundel Gaukeleykeine Spur, nix von Daisy Duck, Donalds ewiger Nur-Freundin. Wenn man die heiligen Hallen betritt, schaut einen ein großer zorniger Donald an und der ist natürlich nicht von einem der Altmeister, die ihre Figuren noch auf Durchschlagpapier kreierten und nicht am Computer mit Entenhausen-App. Die Kohlezeichnung stammt von Ulrich Schröder, einem der Nachfolger am Zeichentisch und der jüngste (Aachen, 1964) im Bunde der ausgestellten Zeichen-Nachfolger. Auch das heutige an Börsen notierte Disney-Imperium hat mal klein angefangen, 1928 mit einem Verlust, mit einer Namenssuche für eine Maus und 1930 eine ziemlich unaufgeregte Geburt eines kommenden Helden der Animation: Micky. Und wenn man ehrlich ist, erst der geniale Carl Barks hat zusammen mit den zwei anderen und ihren Geschichten den Grundstein für alles gelegt, Originalzeichnungen von ihnen sind irgendwie der heilige Gral des Comics und sollten auch in Oberhausen nur mit Ehrfurcht betrachtet werden – und einem Grinsen. Erst 1966 wurde bekannt, wer hinter den großartigen Bildergeschichten steckte. Manische Donaldisten, würde man heute sagen. Dank schulden ihnen Generationen weltweit.

Alle drei sind lange tot und dennoch, ihr Universum lebt weiter. Ulrich Schröder zeichnet heute Geschichten über die berühmteste Maus der Welt. Jan Gulbransson und der US-Amerikaner Don Rosa haben sich auf Donald spezialisiert, alle sind mit ganzen Bildergeschichten in Originalzeichnungen vertreten. Alle Etagen der Ludwiggalerie reichen soeben aus, die Ausstellung ist eine der umfangreichsten bisher gezeigten Präsentationen zur Entenhausen-Welt und ihren Zeichnern. Möglich machte das auch die Sammlung von Ina Brockmann und Peter Reichelt aus Mannheim und die ist schon riesig. Manches ist auch vielen unbekannt. Don Rosa war auch daran beteiligt, die allgemeine Spielfläche zu erweitern. Unvergessen sind auch der großartige Spider-Duck oder auch Donalds Alter Ego alias Phantomias, ihn hatte in den 1970ern in Italien Guido Martina (Autor) und Giovan Battista Carpi (Zeichner) erfunden. Man kann es sich denken, diese Ausstellung kostet beim Besuch viel Zeit, aber die sollte man sich nehmen. Denn die Ducks waren auch schon im Ruhrgebiet unterwegs. Ohne Gundel natürlich.

„Entenhausen – Oberhausen“ | bis 15.1. | Ludwiggalerie Schloss Oberhausen | 0208 412 49 28

Autor

PETER ORTMANN

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