Die Mittel der Malerei

Ralph Fleck vor „Man Booker Prize“ im Atelier Kirchzarten 2011, Foto: Ilse Irmgard Klär

Die Mittel der Malerei

Ralph Fleck im Museum Küppersmühle in Duisburg – kunst & gut 04/15

Dass Ralph Fleck so weit gehen würde … war eigentlich zu erwarten. In der opulenten Ausstellung in der Küppersmühle in Duisburg stößt man auf zwei überraschende Gemälde aus dem vergangenen Jahr. Den Betrachter leicht überragend, zeigen sie nichts als rechteckige Farbfelder verschiedener Größe, die vor einem weißen Grund schweben, im Weiß sind ihre Schatten eingezeichnet. Schon darin teilt sich mit, dass Ralph Fleck, der einer der wichtigsten gegenständlichen Maler hierzulande ist, nicht zum Konstruktivisten geworden ist. Die zweite Information liefern die Bildtitel: „Amsterdambild“. Natürlich liegt in der Darstellung eine Referenz an den holländischen Maler Piet Mondrian (aber auch an Gerhard Richter!) vor. Wichtiger ist aber, dass Fleck hier seine eigenen Vorstellungen von Amsterdam in Farben transzendiert. Er liefert Stimmungen und Temperierungen, welche sich für ihn aus dem Klang der Urbanität ergeben, komprimiert wie auf einer Farbtafel.

Amsterdam, das er über seine dortige Galerie Josine Bokhoven kennengelernt und erkundet hat, hat sich schon vor vielen Jahren als Sujet innerhalb seiner Stadtbilder etabliert. Fleck malt die Städte zumeist von oben, in wechselnden Perspektiven, oft mit Blick auf wichtige Architekturen und Stadtanlagen. Die Amsterdam-Bilder teilen den Verlauf der Grachten mit, sie sind pittoresk und dann, im Festhalten moderner Bauten, lakonisch konzentriert.

Eines kennzeichnet überhaupt die Malerei von Ralph Fleck: Schaut man auf die Gemälde mit Abstand, dann ist alles klar und deutlich zu erkennen, aber mit der Annäherung werden sie zunehmend abstrakt, bis hin zur puren Malerei. Die Farben kräuseln sich pastos und verschmelzen miteinander oder sie sind – vor allem in den neueren Bildern – mit feinem Pinsel plan gestrichen. Malerei ist unmittelbare Erfahrung, die unermüdlich bleibt: Fleck arbeitet seit jeher in Werkgruppen, bei denen ein Sujet aus verschiedenen Blickwinkeln, unter unterschiedlichen Witterungsverhältnissen und in Varianten der Motive wiedergegeben ist.

Ralph Fleck wurde 1951 in Freiburg im Breisgau geboren. Bis heute lebt er in Südbaden, wenn er nicht auf ausgedehnten Reisen ist, bei denen er sich die Landschaften und Städte malerisch aneignet. Er hat an der Kunstakademie Karlsruhe bei Peter Dreher studiert. Zu den Kommilitonen von Fleck, der später selbst als Professor an der Kunstakademie Nürnberg unterrichtet hat, gehören Artur Stoll und Friedemann Hahn, die ebenfalls in realistischer Malerei unmittelbare Wirklichkeit festhalten. Daneben ist für Fleck das Aufblitzen von Humor kennzeichnend. Das wird in der Ausstellung etwa bei den frühen „Schnappschüssen“ mit Einheimischen und Touristen, gemalt mit Ölfarbe auf Packpapier (wodurch sich eine dunkel verfließende Korona um die Figur bildet), deutlich oder bei den neueren überlebensgroßen Ausschnitten aus Buchregalen, in denen die Buchrücken und Cover nicht nur die Lektüre verraten, sondern in ihrer Farbigkeit als aufreizende Raster wirken.

Kann es sein, dass seine Malerei im letzten Jahrzehnt sachlicher geworden ist, die Farbe weniger aufgeworfen ist und kaum aus dem Bild tropft? Vielleicht sind die frühen Bilder mit den nebelverhangenen Alpen und dem Blick in den Seerosenteich von Giverny doch experimenteller, riskanter und berührender. Dazu vermissen wir in der Ausstellung die Fokussierungen alltäglicher Nahrungsmittel und Speisen, mit denen er sich in die Tradition der Stilllebenmalerei einklinkt. Oder die Seestücke, die Wasser eine Form geben und doch seine flüchtige Zuständlichkeit vermitteln. Also, hoffentlich wird in der Küppersmühle Duisburg deutlich, was für ein großartiger, reflektierter und origineller Maler Ralph Fleck schon seit Jahrzehnten ist.

„Ralph Fleck – Malerische Grenzauflösungen“ | bis 26.4. | Museum Küppersmühle in Duisburg | 0228 93 45 50

Autor

THOMAS HIRSCH

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