Die Kunst des Beisammenseins

„Kaspar“, Foto: Andreas Köhring

Die Kunst des Beisammenseins

Umsonst: Die weißen Nächte in Mülheim

Der Raffelbergpark in Mülheim wird zum Public-Viewing-Standort bei WM-Endspiel in Moskau ausgebaut. Massen werden strömen, um dort während der Weißen Nächte dem heißen Streit um Ruhm und Ehre fürs deutsche Vaterland beizuwohnen. Glücklicherweise hat das Theater an der Ruhr – wie in jedem Jahr – auch ein kulturelles Kontrastprogramm, das dem fußballerischen Höhepunkt etwas entgegenzusetzen hat. Die Band Erdmöbel (15.7., 19 Uhr) versucht das mit lyrischen Texten in einer anglo-amerikanischen Songwriter- und Musiktradition, das Theater mit ausgewählten Stücken aus dem Repertoire. Und sie sind nicht allein.

Jede weiße Nacht beginnt mit einem Konzert an dem kleinen See, dieses Jahr spielen Matthias Flake und Gäste (13.7., 19 Uhr) Songs des „Weißen Albums“ der Beatles und Lasse Matthiessen (14.7., 19 Uhr) ist mit seinen Liedern zu Gast. Die Volxbühne, das ehemalige Seniorentheater, das sich mehr und mehr in eine Bürgerbühne wandelt, wird mit dem senegalesischen Trommler und Sänger Aidara Seck & Friends (13.7., 17.30 Uhr) im Raffelbergpark zu hören und sehen sein. Das Highlight aber dürfte Roberto Ciullis Inszenierung von Peter Handkes „Kaspar“ (15.7., 20.30 Uhr) sein. Die Arbeit von 1987 ist im Theater nur noch ganz selten zu sehen, es ist auch eine Möglichkeit noch einmal Gralf-Edzard Habbens (1934-2018) ungewöhnliches Bühnenbild für Handkes Sprachgewitter, das mit einer minutenlangen Pantomime gespiegelt wird. Inzwischen ist diese Inszenierung in fast 30 Ländern gespielt worden.

Und die Kleinen? Die müssen sich mal wieder mit Maria Neumanns hungrigen Wolf (14.7., 16 Uhr) herumschlagen. Denn wie heißt das hoffentlich längst überholte Züchtigungssprichwort: Wer nicht hören will, muss fühlen – und die Geißenmutter hat sich doch echt reingehängt: „Die Tür bleibt zu, der Bösewicht verstellt sich gern!“ Das war die Ansage, doch Isegrimm knurrt der Magen, und so schafft er es bei den Gebrüdern Grimm immer ins Haus einzudringen. Ab fünf Jahren kann man da mitfiebern. Und – bevor wir es unterschlagen: Alles, echt alles ist wie immer draußen und umsonst.

Weiße Nächte | 13. – 15.7. | Theater an der Ruhr, Mülheim | www.theater-an-der-ruhr.de

Autor

PETER ORTMANN

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