Der Status quo ist angreifbar

Fee und Horst im Hambacher Forst, Foto: studiobühneköln

Der Status quo ist angreifbar

Die Studiobühne im Januar

Ungeheuerliches passiert im Theaterraum der studiobühneköln. Das fünfzehnminuten-Festival für NRW-Newcomer gibt allen, die dazu ausgewählt wurden, eine offene Bühne und ist für die inzwischen überaus zahlreichen Besucher frei. Eine Viertelstunde haben die Künstler Zeit, die Zuschauer zu bannen, getreu Andy Warhols Prophezeiung: „In Zukunft wird jeder 15 Minuten weltberühmt sein.“ Nun ja, in diesen verlagerten Stammtischen von Facebook oder Instagram reichen manchem bereits weniger Minuten, aber wir reden hier ja auch von Kunst und der Kultur, jedem eine, und sei es noch so minimalistische, Chance zu geben. Also ein Wochenende lang Kölner Stakkato-Performing zwischenMini-Drama und Kurz-Konzert, zwischen Kurzfilm und Multimedia-Happening. Für das spektakuläre Wochenende im Januar gibt es auch keine inhaltlichen oder ästhetischen Vorgaben. Whatever you want, whatever you like. Genau. Der Status quo von experimentellen Performances könnte vielleicht auf irgendeiner der drei Bühnen neue Impulse bekommen, vielleicht auch schon in den erwarteten Schlangen vor dem Theater.

Die gab es auch im letzten Jahr um den Hambacher Forst herum, wo hunderte Aktivisten versuchten, die Bäume zu retten. Die Wunderbühne, eine derunabhängigen studentische Theaterinitiativen der Universität zu Köln, hat dieses Aufbegehren zu einer Geschichte verarbeitet, die eine Woche nach dem fünfzehnminuten-Festival in der Studiobühne ihre Uraufführung feiert. Die Bühne ist der besagte Hambacher Forst, woein Mädchen namens Fee unter den Demonstranten ihre verschwundene Schwester sucht. Doch niemand scheint Genaues zu wissen, weder die Polizei noch die Aktivisten. Dennoch erlebt Fee wundersame Momente im übrig geblieben Wald, durch den zeitgleich ein Journalist wandert. Der ist ein linker Theoretiker und will eine außergewöhnliche Reportage über die Auseinandersetzung schreiben. Zusammen geraten sie in „Fee und Horst im Hambacher Forst“ zwischen alle Fronten und müssen sich durch das konfliktreiche und oft auch skurrile Geschehen im Wald kämpfen. Der Ausgang ist ungewiss, wie auch das Überleben der Bäume.

fünfzehnminuten-Festival | 10. – 12.1. | „Fee und Horst im Hambacher Forst“ | 19.1.(P) 20 Uhr | studiobühneköln | 0221 470 45 13

Autor

PETER ORTMANN

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