Der Bürger als Flötenmann

Foto: Holger Talinski

Der Bürger als Flötenmann

Kölner Bürgerorchester in der Philharmonie

„Ich glaube, dass Musikmachen immer eine Moment–Kunst ist, Musik findet statt, in dem Moment, mit den Menschen, die jetzt für die anderen Menschen Musik machen. Und das ist eigentlich Level unabhängig“, sagt Dirigent Markus Stenz über die technischen Einschränkungen beim Musizieren mit Laien. Und er fährt fort: „Es wird sofort ersetzt durch das Herz, das spielt, und es wird sofort ersetzt durch die Begeisterung und das ansteckende Musizieren von den Leuten, die ja auch was können, das ist so eine ursprüngliche Begegnung, mit dem was Musik kann, die Frage stellt sich dann gar nicht mehr!“, so zitiert ihn der Deutschlandfunk.

Markus Stenz, langjähriger Kölner Generalmusikdirektor und Gürzenich-Kapellmeister, erinnerte mit dieser aktuell geäußerten Analyse beim Festival Cantiere Internazionale d’Arte an die Mission des lange in Köln wirkenden Komponisten Hans Werner Henze, der im italienischen Montepulciano vor 45 Jahren seinen freiheitlichen Gedanken von Musik als natürlicher Lebensbereicherung für die ländliche Bevölkerung ganz praktisch umsetzte. Die Kölner Musikhochschule folgte ihm vor genau 20 Jahren mit der Einweihung einer Akademie im Herzen der Toskana; eine Idee greift als europäischer Gedanke und jetzt auch für Kölner Bürger.

Bereits vor zwei Jahren gründete der aktuelle Gürzenich-Kapellmeister François-Xavier Roth die Initiative „Kölner Bürgerorchester“ – eine Herzensangelegenheit für den Maestro, der so gerne die Hand den Freunden der Musik reicht – in Worten und in folgenden Taten. Letztere scheiterten bisher an den pandemischen Hürden. Rund 200 Mitspieler meldeten sich für ein Orchester, das von rund 20 professionellen Instrumentalisten des städtischen Gürzenich-Orchesters als Coaches durch die Proben geleitet wird. Vorn am Pult arbeitet dann Roths Assistent Harry Ogg, der die Leitung für das Festkonzert an seinen Chef weiterreicht, übrigens mit Überzeugung. Ogg: „François-Xavier hat eine Energie, die sich auf jeden überträgt, der sich in seiner Nähe befindet. Und er besitzt eine Menschlichkeit, die ansteckend ist.“ Die erreicht in diesem Ensemble Jugendliche an den Geigen wie rüstige Senioren, mit über 80 stramm am Triangel. Wechselnde Besetzungen präsentieren ein buntes Programm mit Anspruch – hoffentlich vor großem Publikum.

Kölner Bürgerorchester | 19.9. 20 Uhr | Kölner Philharmonie | 0221 22 12 84 00

Autor

OLAF WEIDEN

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