Bloß kein Klangmuseum

Charley Rose Trio, Foto: Sylvain Gripoix

Bloß kein Klangmuseum

„Cologne Jazzweek“ erobert die Domstadt

Das Stadtgarten-Baby „Cologne Jazzweek“ wird in diesem Sommer zwei Jahre alt, und schon steht der Event bereit, als „Festival des Jahres“ den Deutschen Jazzpreis zu empfangen. Trotz Corona-Bedingungen im letzten Jahr scheint eine Nominierung für Preise für diese einzigartige Instanz „Stadtgarten“ und seinen jungen Ableger mit internationaler Besetzung als Novum und Abgrenzung zum beliebten Winterjazz obligatorisch. Reiner Michalke, permanenter Erfinder und Chef im heutigen „Europäischen Zentrum für Jazz und aktuelle Musik“, konnte in diesem Sommer zu seinem Abschied nach vier engagierten Jahrzehnten verkünden: „Ich übergebe ein gut bestelltes Haus.“

Das klingt sehr beruhigend und ebenso bürokratisch in einer Initiative, der heute die Gegner ausgegangen sind. In Köln und auch in NRW schwimmt dieses einstige Schlachtschiff für eine kreative Jazzszene satt subventioniert und unauffällig in ruhigster See. Der Kölner Bürger kennt den Stadtgarten als Biergeschäft und alternativen Öko-Weihnachtsmarkt – ganz anders rumort die überregionale Wertschätzung. In der Welt kursieren in der Jazz-affinen Gesellschaft Gerüchte über ein in Deutschland einzigartiges Paradies für die lebendige Szene, ein „internationaler Stern“, wie die frisch ernannte Nachfolgerin Cornelia Vossebein bekundet – und diesen Stern möchte die im Bunker Ulmenwall (Bielefeld) und in der Zeche Carl (Essen) bewährte Programmkuratorin noch strahlender aufpolieren.

„Vernetzung“ ist ein Lieblings- und Schlagwort der Neuen, und deshalb mischt sie sich gerne auch in die Cologne Jazzweek ein: Als frühere Leiterin von „NICA artist development“, einem Langzeit- Exzellenz-Förderprogramm des Landes, werden hier bedachte Kreative wie das französische Charly Rose Trio allein viermal den „Green Room“ bespielen, als Gartenbühne hinter dem Stadtgarten-Konzertsaal eine von mehr als einem Dutzend Locations, die in der Jazzwoche beackert werden.

Die Woche selbst wartet mit deutschen Jazzikonen wie Julia Hülsmann im Duett mit Theo Bleckmann auf, mit internationalen Legenden wie Anthony Braxton, in den Siebzigern mit der Moerser Feuerwehrkapelle im Einsatz, heute im digitalen Dialog, und mit insgesamt rund 40 Konzerten, in denen sehr viele junge Menschen die aktuellen Entwicklungen in der Improvisierten Musik abbilden – alles andere als ein Klangmuseum.

Cologne Jazzweek | 13.-20.8. | div. Orte in Köln | www.jazzweek.de

Autor

Olaf Weiden

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