Bilder als Widerstand

Elisabeth Voigt, Der rote Stier, 1944-61, Öl/Lw, 130x180 cm, Museum der bildenden Künste Leipzig, © Nachlass Elisabeth Voigt, Foto: bpk / Museum der bildenden Künste, Leipzig / Michael Ehritt

Bilder als Widerstand

Malerei in der DDR in Düsseldorf

30 Jahre Mauerfall sind ein Anlass, um sich zu vergegenwärtigen, wogegen die Bürger der DDR damals auf die Barrikaden gingen, wie sich ihr Leben gestaltete und warum sie unbedingt ausreisen wollten. Ein Seismograph der Verhältnisse – mit dem Für und Wider gegenüber dem herrschenden System – waren die bildenden Künstler. Das verdeutlicht jetzt die klug zusammengestellte, mit etlichen „ikonischen“ Werken zur Kunst in der DDR gespickte, Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf. Sie stellt dreizehn Maler in chronologischer Abfolge vor, die unterschiedliche Einstellungen repräsentieren: den Glauben an das DDR-Regime, den einzelgängerischen Rückzug auf existenzielle Aussagen mit den Mitteln der figurativen Darstellung, das schließlich geduldete Insistieren auf der geometrischen Abstraktion und das Erfüllen der Maxime des Sozialistischen Realismus. Und dann folgen die Widerstände im Untergrund, der vielsagende Rückzug auf die Mythologie und schließlich das Beobachten des eigenen Beobachtet-Werdens.

So werden die wenig bekannten realistischen Werke von Wilhelm Lachnit und Elisabeth Voigt ebenso ins Bewusstsein gerufen wie die phantastische Malerei der jüngeren Angela Hampel. Zum Glück wird an die stillen Zeichner Gerhard Altenbourg und Carlfriedrich Claus erinnert, die mit feinen Strichen und der Ästhetik der Schrift einen Kosmos an Welterfahrung vor Augen führen. Konsequenterweise sind alle Künstler der zeitweilig so genannten „Viererbande“ vertreten, die im Unterschied zu den „Staatskünstlern“ die kulturellen Vorgaben auch im westlichen Ausland vertraten. Die Metaphern, die etwa Mattheuer und Heisig einsetzen, verwendet wiederum Michael Morgner in subtil konträrer Weise. Rigoros äußern sich dagegen A.R. Penck und Cornelia Schleime, von der das spannende dokumentarische Frühwerk ausgestellt ist. Dabei ist die Ausstellung keineswegs eine „Aufrechnung“, sondern ein stilistisches Rekapitulieren der bildenden Kunst in der DDR durch vier Jahrzehnte, welches die „Geheimsprachen“, die Ausdrucksstärke und generell die gesellschaftliche Macht des Mediums unterstreicht. Man kann viel lernen – und viel sehen.

Utopie und Untergang | bis 5.1.20 | Kunstpalast Düsseldorf | 0211 56 64 21 00

Autor

Thomas Hirsch

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