Bestes improvisiertes Jazz-Solo

Julian Lage, Foto: Nathan West

Bestes improvisiertes Jazz-Solo

Das Julian Lage Trio gastiert zweimal in NRW

Mit 35 Jahren zählt der Gitarrist Julian Lage bestimmt nicht zu den Newcomern. Aber der deutsche Markt hängt oft ein paar Jährchen hinterher, da wird die Weltkarriere eines jungen Mannes erst gesehen, wenn dieser bereits zu den etablierten Künstlern zählt. So ging es mit dem Jazzgitarristen Julian Lage, einem Wunderkind aus San Francisco, das bereits im zarten Alter von acht Jahren mit Gitarrenlegende Carlos Santana rockte und in der amerikanischen Dokumentation „Jules at Eight“ portraitiert wurde.

Wunderkinder erscheinen zahlreich auf der Weltbühne, zunächst provinziell, in Deutschland früh gefördert von Wettbewerben für die Kids. Doch wenn der zirzensische Effekt der Kindlichkeit und der Virtuosenglanz jugendlicher Power verwirkt sind und die Ausnahmetalente in die sachlichen Bedingungen des Konzertmarktes einzubinden sind, dann flackern die Kerzen nicht mehr so wild – dazu gehört nämlich unendlich viel Kraft, Tiefe und Disziplin.

Das mag eher noch für den Klassikbereich gelten, aber auch im Jazzgeschäft verweilt in Europa einzig der früh entdeckte Elsässer Bireli Lagrene auf milder internationaler Tour. Der zwei Jahrzehnte jüngere Lage startet dagegen weltweit durch, er ist seit zwanzig Jahren mit den Stars der Szene unterwegs, listet Helden wie Pat Metheny und Herbie Hancock neben solide Giants wie Christian McBride oder große Lehrmeister wie Gary Burton. Schon 2010 erhielt er seine erste Grammy-Nominierung, vor drei Jahren folgte ein Ruf für das beste improvisierte Jazz-Solo.

Und da kann der schlaksige Gitarrist wirklich etwas bieten. Mit seinem Trio tourt er seit Jahren und die Jungs sind sensationell aufeinander eingespielt. Das ist besonders wichtig, weil Lage so grenzenlos offen für alle stilistischen Richtungen agiert. Er bildet seine gesamte Lebenshörerfahrung und ein historisches Wissen in seinem Spiel ab. Das schafft Nähe zu einer breiteren Hörerschaft – es schwingt Country à la Bill Frisell bis in Reichweite harter Läufe, Marke John Scofield; lyrische Soundfahrten nach Metheny-Art ziehen sich zurück auf erdige Jazzgitarre, Marke Jim Hall. Mit seinem aktuellen Album eröffnet er seinen neuen Vertrag beim Label „Blue Note“. Und er zollt den dort verewigten Improvisatoren und Singer-Songwritern gleichermaßen seinen Respekt. Das verspricht live eine Wunschmischung.

Julian Lage Trio | 31.3. 20 Uhr, Domicil Dortmund: 0231 862 90 30 | 2.4. 20 Uhr, Kölner Philharmonie: 0221 28 02 80

Autor

OLAF WEIDEN

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