An der Quelle der Macht

Foto: Thilo Beu

An der Quelle der Macht

„Agrippina“ am Theater Bonn

Mehr Macht hatte wohl kaum eine Frau im Römischen Reich: Iulia Agrippina, im Jahr 15 oder 16 am Rhein geboren, Schwester des römischen Kaisers Caligula, Frau von Kaiser Claudius und Mutter von Nero, hat fast 20 Jahre lang die Politik am Kaiserhof in Rom mitbestimmt. Ihr größter Erfolg war, ihren Sohn Nero auf den Kaiserthron zu bringen. Der bedankte sich auf seine Weise: Zunächst räumte er ihr Teilhabe an der Macht ein, ließ sie sogar als erste lebende Frau auf Münzen abbilden. Im Jahr 59 ließ er seine immer noch einflussreiche Mutter umbringen.

Georg Friedrich Händel hat die verwickelten Vorgänge um die Abdankung des Claudius und die Machtübernahme durch Nero in seiner ersten Erfolgsoper „Agrippina“ im Jahr 1709 in eine unterhaltsame Handlung gebracht. Für das verwöhnte Publikum in Venedig schuf er eine musikalisch prachtvoll ausgestaltete Oper, die ein spektakulärer Erfolg wurde. Librettist Vincenzo Grimani lässt nichts aus, um den dekadenten römischen Hof mit seinen Intrigen und Bösewichten zu schildern. Das Meisterstück an Wortwitz, Spannung und Situationskomik ist zutiefst ironisch: Am Ende kommen alle mit ihren üblen Machenschaften zum Ziel: Kaiser Claudius verzeiht allen und Nero darf den Thron besteigen.

Nun kommt die Erfolgsoper von einst – die erst 1959 in Leipzig und 1980 bei den Händelfestspielen in Halle wiederentdeckt wurde – in die Heimat der Agrippina zurück. Sie hatte einst erreicht, dass ihr Geburtsort, das Oppidum Ubiorum zur „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ erhoben wurde, dem späteren Köln. Das Theater Bonn kündigt „Agrippina“ als eine „schonungslose Satire auf Sex & Crime am römischen Kaiserhof“ an. Die musikalische Leitung der damals hochmodernen, harmonisch äußerst kühnen Oper hat Rubén Dubrovsky. Die Regie übernimmt Leo Muscato, der in Bonn bereits Händels „Xerxes“ auf die Bühne gebracht und 2021 Rossinis „Barbier von Sevilla“ an der Mailänder Scala inszeniert hat. In der Titelrolle ist Louise Kemény zu erleben. Seit 2018 Ensemblemitglied der Oper Bonn, hat sie auch bei den Karlsruher Händelfestspielen, beim Mozartfest Würzburg und beim Opernfestival im britischen Glyndebourne gesungen.

Agrippina | 15. (Einführungsmatinee), 29.1. (P), 4., 10., 12., 26.2., 9., 11., 19.3., 15., 22.4. | Theater Bonn | 0228 77 80 08

Autor

WERNER HÄUSSNER

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